150 JAHRE KIRCHEIS-WERK

Wo dank Dosen Flügel wachsen
<font size="2">1861 gründete ein Industrie-Pionier in Aue eine Maschinenfabrik, die bald Weltruhm erlangte. Zu DDR-Zeiten volkseigen, später pleite, ist das Unternehmen dank</font> <font size="2">seiner neuen Eigentümer längst wieder ein Vorzeigebetrieb des Erzgebirges. Morgen wird gefeiert.<br> <br> </font>
<font size="2">VON FRANK HOMMEL</font>
<font size="2">AUE </font><font size="2">- Die lustlose Vorstellung der Auer Fußballer spottete jeder Beschreibung. Mit 1:4 waren die Veilchen bei Fortuna Düsseldorf untergegangen. Das</font> <font size="2">mochte sich der FCE-Präsident im Ehrenamt nicht bieten lassen. Also zitierte Uwe Leonhardt die Fußballer zum Rapport. Jedoch nicht etwa in die</font> <font size="2">Vereinsgeschäftsstelle. Sondern in seine Firma. "In unserem Industriebetrieb", so sagte er damals, "können sie sich gleich davon überzeugen, welche</font> <font size="2">Leistungen von unseren Beschäftigten verlangt werden."</font>
<font size="2"><br> Die Geschichte trug sich zu im Jahr 2000, doch sie sagt noch immer viel aus über den Anspruch des Uwe Leonhardt. Das Präsidentenamt des Vereins</font> <font size="2">hat er inzwischen abgegeben, den Industriebetrieb führt er noch immer. Die Gebrüder Leonhardt GmbH &amp; Co KG Blema Kirch-eis in Aue versteht sich</font> <font size="2">nicht als profane Maschinenschmiede, sondern als Vorzeigebetrieb. Diese Botschaft transportiert Leonhardt mit jeder Geste. Er gab dem Betrieb den</font> <font size="2">Stolz wieder, nachdem der Treuhand nach der Wende zwei Privatisierungsversuche missglückt waren und die damalige Blema 1995 Konkurs anmelden</font> <font size="2">musste.</font>
<font size="2"><br> 1997, die Zwillingsbrüder Uwe und Helge Leonhardt hatten sich mit Autohäusern längst einen Namen gemacht, kauften sie das danieder liegende Werk.</font> <font size="2">"Die Verhandlungen mit der Treuhand liefen ein Jahr", erinnert sich Uwe Leonhardt an jene Zeit, "das war extrem anstrengend. Aber wir haben uns</font> <font size="2">reingebissen."</font>
<font size="2"><br> So kann der Betrieb ein Jubiläum begehen. 1861, vor 150 Jahren hatte der Industriepionier Erdmann Kircheis die Maschinenfabrik gegründet. Der</font> <font size="2">Spross einer Auer Arbeiterfamilie war bereits in der Welt herumgekommen, kannte die mühsame Handarbeit der Klempner. Seine Sickenmaschine half,</font> <font size="2">die Rohre zusammenzufügen. Nach einiger Skepsis erkannten die Handwerker, wie sehr ihnen diese Maschine die Arbeit erleichtern konnte. Der Anfang</font> <font size="2">war gemacht.</font>
<font size="2"><br> Gut 20 Jahre später sollte eine Erfindung die Weichen bis heute stellen: Ein Automat, der Konservendosen mühelos verschloss. Bis heute ist das Auer</font> <font size="2">Unternehmen Spezialist für Maschinen auf dem Gebiet der Verpackungen. Leonhardts Ingenieure haben Automaten entwickelt, die Dosen in</font> <font size="2">Sekundenbruchteilen formen und prägen. Sie erdenken Pressen, bauen Siegel- und Verschließmaschinen. Zuletzt gab es einen Preis für einen mit der</font> <font size="2">Luxemburger Ardagh-Gruppe entwickelten Foliendeckel aus Aluminium. Der verschließt Dosen etwa für Kartoffelchips oder Erdnüsse und spart dabei</font> <font size="2">Gewicht und Material.</font>
<font size="2"><br> Leonhardt: "Wir sind ein Sondermaschinenbauer, der Forschung und Entwicklung, Fertigung sowie Montage unter einem Dach übernimmt. Das können</font> <font size="2">nur wenige von sich behaupten." Seine Maschinen verkaufen sich in 50 Länder. Angefangen mit nur 30 Beschäftigten, stützt sich das Unternehmen</font> <font size="2">heute auf einige hundert Mitarbeiter.</font>
<font size="2"><br> Leonhardt, selbst in Schneeberg geboren, weiß die erzgebirgische Tradition seines Unternehmens geschickt als Verkaufsargument einzusetzen. Er hat</font> <font size="2">die Historie im Firmen-Namen belassen. An den Gängen in der Bürozentrale prangen Fotos aus Gründertagen. Das Jubiläum wird morgen wie ein</font> <font size="2">Staatsakt zelebriert. Gleichzeitig verliert Leonhardt die Zukunft nie aus dem Blick. "Wir haben unsere Wurzeln im Erzgebirge", sagt er, "aber uns sind</font> <font size="2">Flügel gewachsen."</font>
<font size="2"><br> Bis den Fußballern nach seiner Ansprache damals Flügel wuchsen, das dauerte freilich seine Zeit. Aber zweieinhalb Jahre später stiegen sie dann doch</font> <font size="2">von der damaligen Regionalliga in die Zweite Bundesliga auf.<br> <br> <br> </font><font size="2">Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 29.06.2011</font>