Die Schrittmacher im Erzgebirge

Auf die Hollywooddiva Hedy Lamarr geht der heutige Tag der Erfinder zurück. Sie entwickelte das sogenannte Frequenzsprungverfahren und steht stellvertretend für jene, die die Welt bereichern, ohne dafür berühmt zu werden - damit auch für viele findig
<font size="2">VON MIKE BALDAUF</font>
<font size="2">AUE-SCHWARZENBERG</font><font size="2"> - Der heutige Tag der Erfinder soll an frühere Erfinder erinnern, aber auch klugen Köpfen der Gegenwart</font> <font size="2">Respekt zollen. Was wäre ein Unternehmen ohne Erfindergeist? Viele Neuentwicklungen sichern den Firmen im Erzgebirgskreis auf den</font> <font size="2">umkämpften Märkten einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Die Idee für eine Erfindung muss dabei nicht zwingend aus der</font> <font size="2">Feder eines Einzelnen stammen, sondern entwickelt sich oft über einen Zeitraum im Austausch mit den Mitarbeitern.</font>
<font size="2"><br> In der Erzgebirgischen Landbäckerei Drebach etwa machten sich drei Frauen über die Verpackung ihrer Backwaren erfolgreich</font> <font size="2">Gedanken. "Jede hat einen Anteil beigetragen, und irgendwann war die Geschäftsidee mit den wiederverwendbaren Papiertüten</font> <font size="2">geboren", berichtet Mandy Lüdcke.</font>
<font size="2"><br> Die Marketingchefin sowie Geschäftsführerin Rosemarie Haase und Personalleiterin Angela Gluth schlagen damit gleich mehrere Fliegen</font> <font size="2">mit einer Klappe. Weil die Kunden für das mehrfache Nutzen der Tüten einen Bonus in Form eines Gratis-Doppelbrötchens erhalten,</font> <font size="2">verbessert das die Kundenbindung und trägt überdies zum sparsamen Umgang mit Ressourcen bei. "Ebenso verbessern wir mit den</font> <font size="2">Tüten die Qualität unserer Produkte, weil die warmen Brötchen nicht mehr in einer Plastiktüte schwitzen und damit länger frisch</font> <font size="2">bleiben", erklärt Lüdcke. Auf Plastik verzichtet die Landbäckerei inzwischen. Für umweltorientierte Unternehmensführung erhielt der</font> <font size="2">Betrieb in diesem Jahr den sächsischen Umweltpreis.</font>
<font size="2"><br> Der Umweltaspekt spielte auch bei einer Entwicklung der Galvanik Zimmermann GmbH in Grünhain eine Rolle. "Unser Antrieb war, dass</font> <font size="2">mit dem bisher üblichen sechswertigen Chrom nicht mehr gearbeitet werden darf", erklärt Jörg Zimmermann, der den auf galvanische</font> <font size="2">Oberflächenbeschichtung spezialisierten Familienbetrieb mit seinem Bruder leitet. Von den ersten Überlegungen bis zur Serienreife des</font> <font size="2">neuen Verfahrens namens Gazima-Black sollten acht Jahre vergehen. In diesem Veredlungsprozess werden Zinkschichten mit besten</font> <font size="2">Korrosionsschutz-Eigenschaften erzeugt.</font>
<font size="2"><br> In der Zusammenführung von analytischem und praktischem Know-how sieht Zimmermann das Erfolgsrezept der Entwicklung, für die</font> <font size="2">es 2010 den Umweltpreis der Handwerkskammer Chemnitz gab. Als Partner stand dem 28-köpfigen Familienbetrieb ein Chemielieferant</font> <font size="2">zur Seite. "Dort gab es einen ganzen Entwicklungsstab, bei uns arbeiteten zwei bis drei Leute an dem Problem." Das Verfahren habe</font> <font size="2">zwar schon im Labormaßstab funktioniert, aber noch nicht in der Praxis. "2006 und 2007 hatten wir dann erste Erfolge", sagt</font> <font size="2">Zimmermann. Inzwischen zahlt sich die preiswerte Alternative zum herkömmlichen Verfahren in Aufträgen aus. "Bei Mercedes sind wir</font> <font size="2">sogar direkt als Zulieferer gelistet, das kommt sonst kaum vor", ist Zimmermann stolz.</font>
<font size="2"><br> Eine Kooperation mit der TU Chemnitz führte in den zurückliegenden Jahren in der Waldkirchener Rolle-Mühle zu einem neuartigen</font> <font size="2">Verpackungsmaterial namens Brantex, das zu 85 Prozent aus Kleie besteht. Geschäftsführer Thomas Rolle hat das Projekt zwar</font> <font size="2">zunächst in die Schublade gelegt, weil Kleie inzwischen nicht mehr als Abfallprodukt gilt, sondern auf dem Markt wieder als</font> <font size="2">Lebensmittel gefragt ist. Aus der Verbindung mit dem Lehrstuhl Fördertechnik hat sich indes ein weiteres Projekt herauskristallisiert,</font> <font size="2">das am Wochenende erstmals an der Uni vorgestellt werden soll. "Zusammen haben wir ein neues Material entwickelt, das zum Teil</font> <font size="2">bessere Eigenschaften als Kunststoff besitzt", sagt Rolle, will aber der Präsentation mit Details nicht vorgreifen. In der Verbindung zur</font> <font size="2">Lehre sieht er den Schlüssel zum Erfolg: "Es ist wichtig, mit den Leuten im Gespräch zu bleiben."<br> <br> <br> </font><font size="2">Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 09.11.2011</font>