Eibenstocker wollen in Indien den Markt aufmischen

Elektrowerkzeuge Eibenstock eröffnet in Indien erste ausländische Fertigungsstätte
Lothar Lässig, Chef der Elektrowerkzeuge GmbH Eibenstock, steht wieder ganz am Anfang - sagt er. "Es ist wie vor 20 Jahren. Ich beginne sozusagen von vorn." Keine Angst, dem Mann und der Firma im Erzgebirge geht es gut, ziemlich gut sogar. "Wir sind schuldenfrei und können investieren." Trotzdem, das mit dem Neuanfang stimmt - nur ist der Schauplatz diesmal Indien: Kolhapur im Bundesstaat Maharashtra. Dort haben die Eibenstocker ihre erste ausländische Fertigungsstätte eröffnet: Auf 2500 Quadratmetern entstehen Motoren und Elektrowerkzeuge nach erzgebirgischer Art.

"Ich denke oft an das Jahr 1993, als wir nach der Reprivatisierung losgelegt haben. Es gibt viele Parallelen. Nur die Bedingungen in Indien sind besser", sagt Lässig. So haben die Inder den Vorteil, dass die Erzgebirger spezielle Produkte für den indischen, den asiatischen Markt entwickelten. Zurzeit arbeiten in Kolhapur rund 100 Leute auch an Maschinen, die aus dem Eibenstocker Werk stammen. 30 Außendienstmitarbeiter sorgen dafür, dass die Produkte mit dem grünen Firmenlogo an den Mann gebracht werden. Klar, die Erzgebirger wollen sich in Indien nicht nur mal so am Markt beteiligen, sie wollen ihn aufmischen. "In Indien leben 1,2 Milliarden Menschen und in unserer Branche gibt es nur drei bekannte Hersteller: Bosch, Black & Decker und Hitachi. Wir wollen zum viertgrößten Produzenten im südasiatischen Staat aufsteigen." Und warum gehen die Eibenstocker nicht wie so viele nach China? "Dort produzieren Hunderte Firmen Elektrowerkzeuge. Sie überschwemmen den Markt mit Billigprodukten. Wir setzen mit den Indern auf Qualität, so können wir mit renommierten Firmen konkurrieren." Dafür wurden im Erzgebirge indische Ingenieure ausgebildet.

Eibenstocker Werkzeuge gibt es in aller Welt: Etwa die Hälfte der Produktion wird in rund 60 Länder exportiert. In Deutschland konnte die Firma in jüngster Vergangenheit ein jährliches Wachstum von zehn bis 15 Prozent verbuchen. In Eibenstock stehen 220 Frauen und Männer in Lohn und Brot. Deren Arbeitsplätze zu erhalten, ist für den aus der Region stammenden Lässig das Wichtigste. Dass der Betrieb nun auch in Indien einen Sitz hat, finden die Mitarbeiter wohl in Ordnung. "Das ist gut. Aber mich interessiert mehr, dass es unserem Betrieb gut geht, das Geld weiter pünktlich auf dem Konto ist. Wenn's besonders läuft, gibt's auch mal 'ne Prämie", sagt Heike Schönfelder, die 15 Jahre im Betrieb ist. Positiv empfindet die Eibenstockerin, dass ihr Arbeitsplatz direkt vor der Haustür ist. 2013 wurden im Erzgebirge zwei Millionen Euro in eine neue Halle und Maschinen investiert. "Im Laufe der Jahre haben wir die Löhne erhöht. Der niedrigste Stundenlohn liegt heute bei 8 Euro (inklusive Prämien) - obwohl 40 Prozent der Mitarbeiter angelernte Tätigkeiten ausführen. Und die Löhne werden auch in den kommenden Jahren steigen." Eines bereitet dem 60-jährigen Lässig doch Sorgen: "Kommt die Rente mit 63, verliere ich die erfahrensten Mitarbeiter. Und gute junge Fachkräfte sind kaum zu finden." Doch dass er den Betrieb einmal in junge Hände geben kann, steht fest. Nach dreijähriger Einarbeitungszeit arbeitet jetzt ein zweiter Geschäftsführer an seiner Seite. Und zum jungen Team an der Spitze gehört auch Sohn Thomas, der heute schon das indische Geschäft mit führt.
Die Eibenstocker Firma fertigt Elektrowerkzeuge für den Profibereich. Unter anderem zum Bohren, Schleifen, Fräsen, Mischen und Trennen. Der Schwerpunkt liegt auf Diamantbohr- und Diamantsägetechnik sowie Antriebsmaschinen für viele Einsatzzwecke.

 

Das Unternehmen ist Haupt- und Trikotsponsor des Zweitligisten FC Erzgebirge Aue sowie der Ringermannschaft Aue, die in der 1. Bundesliga kämpft.

 

Quelle: Renate Färber, Freie Presse 16.12.2013, Auer Ausgabe