​Ein Haus, 30 Sprachen, unzählige wertvolle Tipps:

Kristin Kocksch (links), Leiterin des Welcome Center Erzgebirge berät Ngoc Lien Huong Vu.

Neues Serviceangebot des Welcome Center Erzgebirge ergänzt Beratung für Zuwanderer

Eine Wohnung suchen, die Kinder in Kita oder Schule anmelden, Papiere anerkennen lassen, Land und Leute verstehen lernen, komplexe Regelwerke begreifen – und all das noch in einer neuen Sprache. Der Kopf raucht, wenn man aus einem anderen Land nach Deutschland zuwandert. Ein begehbares, winziges Haus soll auf knapp einem Quadratmeter Standfläche künftig Neulinge im Erzgebirge abholen bzw. sie beim Ankommen noch umfassender unterstützen. Infohaus heißt das Konstrukt, das angedockt an das Welcome Center Erzgebirge (WCE), ab dieser Woche im Foyer des Technologieorientierten Gründer- und Dienstleistungszentrum Annaberg (Adam-Ries-Straße 16, 09456 Annaberg-Buchholz) die ersten Schritte in der neuen Heimat erleichtern möchte.

„In einem neuen Land, mit fremder Sprache und Kultur einen Neuanfang zu wagen, ist kein leichtes Unterfangen und birgt viele Herausforderungen“, sagt Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH bei der Eröffnung des Infohauses. Bei dem Angebot handelt es sich um einen Multimediastand mit Tablet-Computer, an dem sich Zuwanderer über das Leben in Deutschland informieren, Sprachübungen absolvieren und nicht zuletzt individuelle Unterstützung finden oder sich untereinander vernetzen können.

Größte Hürde: die Sprache

Seit Juli 2016 fungiert das Welcome Center Erzgebirge als Servicestelle, wenn es für „Neulinge“ im Erzgebirge um das perfekte Ankommen geht. Das Center steht als Lotse im Behördendschungel zur Seite und ist auch Partner für Unternehmer, die ihre neuen Mitarbeiter beim Heimisch werden unterstützen möchten. „Meistens ist dennoch die erste Schwelle, um mit uns Kontakt aufzunehmen, hoch. Gerade für ausländische Zuwanderer bildet die oft noch sehr fremde Sprache die größte Barriere“, weiß Kristin Kocksch, die Leiterin des WCE: „Mit dem Infohaus bieten wir nun die Chance, ganz einfach den Kontakt zu uns herzustellen und dennoch bereits viele Informationen mitzugeben“.

Dauerhaft ankommen trotz Heimweh

Eine, die weiß, wie herausfordernd der Start in einer neuen künftigen Heimat ist, ist Ngoc Lien Huong Vu. Die junge Frau stammt aus Vietnam und kam vor vier Jahren in die Region – zuerst nach Chemnitz und dann zur Ausbildung nach Kurort Oberwiesenthal. „Es war anstrengend. Anfangs habe ich kaum etwas verstanden. Aber auch andere Dinge aus dem neuen Kulturkreis waren so fremd. Das Eingewöhnen dauerte lang“, denkt sie zurück. Unterstützung zum Ankommen bekam sie von Landsleuten, die schon länger hier waren. „Für alle, die nun in die Region kommen ist es natürlich toll, so ein Angebot an Informationen und Hilfen aus dem Welcome Center zu haben“, betont die Asiatin, die erst im Januar ihre Ausbildung im elldus Resort beendet hat und sich trotz manchmal aufkommendem Heimweh im Erzgebirge inzwischen wohl fühlt.

Infohäuser als Orte der Begegnung

Das GDZ Annaberg wurde nun als einer von 35 Standorten in Deutschland (davon drei in Sachsen) ausgewählt. Realisiert wurden die Häuser im Rahmen des Projektes „Ankommen in Deutschland“, initiiert vom Goethe-Institut. Bis voraussichtlich Ende Juni 2022 wird es allen Neuzugewanderten Hilfestellung beim Ankommen in Deutschland leisten. „Das Infohaus ist die ideale Ergänzung zu unserem breitgefächerten, bereits bestehenden Unterstützungsangebot im Rahmen des Welcome Center Erzgebirge. Die Infohäuser sind ein Ort der Begegnung. Besonders sprachliche Barrieren müssen bei den Zuwanderern abgebaut werden. Wenn dies nun mit dem Infohaus etwas einfacher gelingt, ist uns allen, besonders aber den zugewanderten Menschen geholfen. Auch wenn die aktuelle Situation die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte abschwächt, bestätigen Prognosen künftig einen noch höheren Fachkräftebedarf – gerade im Gesundheits- und Bauwesen sowie in der IT-Branche“, so Lißke.

Im Infohaus finden Interessierte nicht nur Spiele und Übungen zum Erlernen der deutschen Sprache und gelangen auf direktem Weg in das Webportal „Mein Weg nach Deutschland“, sondern können sich über das Leben und Arbeiten in Deutschland übersichtlich und in 30 Sprachen informieren. Auch ein Blick in die zahlreichen Schubkästen und Fächer lohnt sich. Dort findet man verschiedene Materialien und Giveaways des Goethe-Instituts sowie Welcome Center Erzgebirge.

Hintergrund

Das Projekt „Ankommen in Deutschland“, das vom Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds kofinanziert wird, richtet sich an neuzugewanderte Drittstaatsangehörige, die aus beruflichen oder privaten Gründen nach Deutschland gekommen sind. Es soll Zuwandernde dabei unterstützen, ihren Start im neuen Land zu erleichtern und stellt Unterstützung für einen nahtlosen Übergang in die Integrationsangebote des Bundes bereit.