Erfolgsgeheimnis steckt in uralter Rezeptur

Bäckerei Neubert aus Erla-Crandorf feiert doppeltes Jubiläum - Randfichten gehören zu den Stammkunden und stehen bald mit in der Backstube
Von Beate Kindt-Matuschek
Erla-Crandorf. Es gibt wohl keinen Crandorfer, der den "Neubert Bäck" nicht kennt. Denn: In dieser Bäckerei werden seit nunmehr 110 Jahren Brot und Brötchen sowie viele süße Schlemmereien gebacken. 2010 ist für das Familienunternehmen ein ganz besonderes Jahr, weil gleich zwei runde Jubiläen anstehen.
"Gegründet wurde die Bäckerei im Sommer 1900 von meinem Urgroßvater Luis Neubert", erzählt Christoph Neubert, der Senior-Chef im Familienbetrieb ist. Besonders stolz ist der Bäckermeister auf sein Brot. Denn das wird in seiner Bäckerei noch genauso gebacken, wie vor 100 Jahren - aus Natursauerteig in drei Stufen. Das Erfolgsgeheimnis liegt in der uralten Rezeptur. Dafürheimste die Firma schon mehrfach Goldmedaillen der Innung ein. "Das schmeckt man eben", sagt Ehefrau Adelheid, die einst als Verkäuferin im Geschäft angefangen hat. Heute ist sie die gute Seele des Ganzen und führt sowohl im Laden als auch im Hause Regie.
"Unsere Bäckerei war schon immer ein Familienbetrieb. Nach Urgroßvater Luis übernahm mein Großvater Emil Neubert und dann mein Vater Helmut das Geschäft. Meine Frau und ich leiten die Firma seit 1985 - also seit 25 Jahren", klärt der heute 63-Jährige über die genaue Rang- und Reihenfolge der Meister auf. Umso mehr freut er sich, dass mit Tochter Kerstin und Schwiegersohn Jens Meichßner nun schon die fünfte Generation mit in der Backstube steht. "Der Jens hat ursprünglich KFZ-Schlosser gelernt, ist aber für unser Geschäft ins Bäckerhandwerk umgeschwenkt", erzählt der Chef anerkennend über seinen Schwiegersohn. Auch er hat seit zehn Jahren den Meistertitel in der Tasche. Und selbst das ist noch nicht alles: Für Enkelsohn Stefan, der heute gerade mal 14 Jahre alt ist, steht bereits fest: "Ich werd' Bäcker!" Die besten Voraussetzungen bringt der junge Mann jedenfalls mit, denn schon jetzt steht er - sogar in den Ferien - um 3 Uhr morgens mit auf, um mit in die Backstube zu gehen. "Brot backen", das ist es, was er will.
Um die Zukunft der Bäckerei braucht es dem Chef, der weitere zehn Mitarbeiter in Lohn und Brot hat, also nicht bange werden. "Schwieriger ist es da schon, immer die strategisch richtigen Entscheidungen zu treffen", betont Christoph Neubert. Er ist seit nunmehr 50 Jahren im Beruf tätig. Hat jene Zeiten miterlebt, in denen die Menschen nach Brot Schlange gestanden haben. Und weiß heute um die Sorgen, stets allen Kundenwünschen zu entsprechen. Siebenmal ist das markante Eckhaus der Bäckerei bereits um- oder angebaut worden. "Ohne moderne Technik geht es nicht mehr", ist man sich in der Handwerkerfamilie einig.
Statt Filialen zu eröffnen, hatten die Crandorfer gleich nach der Wende auf die mobile Verkaufstheke gesetzt. Und sie sollten Recht behalten. Vier Fahrzeuge touren mittlerweile und sind - vor allem bei älteren Leuten, auf Märkten und in den Dörfern - immer gern gesehen. "So sind wir flexibel, können sofort reagieren, wenn sich Versorgungsengpässe auftun", heißt es zur Begründung. Dabei geht der Kundenservice bei den Neuberts durchaus übers Normalmaß hinaus, denn da werden für Stammkunden auch schon mal andere Gefälligkeiten mit erledigt oder der Brötchenbeutel bis zur Haustür gebracht.
Zufriedenheit der Kunden, das ist es, was die Bäcker-Familie anstrebt. Deshalb bieten sie sogar samstags gut 25 verschiedene Brötchen an. "Das alles ist aber nur durch die moderne Technik und große Investitionen möglich", erklären die Meister und zeigen das "kleine Wunderwerk". Ein Maschinchen für gut 50.000 Euro, das die Teiglinge formt, die dann in der riesigen Frosteranlage verschwinden können - bis sie frisch gebacken werden. "Das war früher undenkbar. Doch das Kaufverhalten der Kunden hat sich verändert und man muss immer am Ball bleiben", so Neubert. In diesem Jahr nimmt die Firma erstmals an den Bäcker-Glückswochen von MDR Radio Sachsen teil.
 
 
Quelle: Freie Presse, Ausgabe Auer Zeitung, 18.09.2010