Erzgebirgische Firmen in Sotschi dabei

Während sich Skispringer Richard Freitag für die Olympischen Winterspiele 2014 in Russland qualifizieren muss, haben drei erzgebirgische Firmen den Sprung schon geschafft. Sie bauten und entwickelten die Anlaufspur für die beiden Schanzen.
<font size="2">VON SANDRA HÄFNER</font>
<font size="2">SCHARFENSTEIN </font><font size="2">- Es ist eine Hightech-Konstruktion, auf der die weltbesten Schanzenpiloten nicht nur in Sotschi gen Schanzentisch</font> <font size="2">rauschen werden. Die Anlaufspur aus weißem Kunststoff und Keramik kann Winter wie Sommer genutzt werden. In der kalten</font> <font size="2">Jahreszeit erzeugt das integrierte Kühlsystem aus der Luftfeuchtigkeit eine Eisschicht. Schnee oder Eis müssen nicht mehr mühevoll in</font> <font size="2">den Anlauf gebracht werden, um die Spur zu präparieren. Im Sommer fließt Wasser auf die Spur und die Springer gleiten auf den in</font> <font size="2">Kautschuk eingebauten Noppen aus Hochleistungskeramik hinab - zu gleichen Bedingungen wie im Winter.</font>
<font size="2"><br> Die Aloslide Ice genannte Konstruktion entwickelten mit der Firma CeramTec-Etec aus der Nähe Kölns drei mittelständische Firmen aus</font> <font size="2">dem Erzgebirge: die Brandes Technik GmbH Scharfenstein, Elektroanlagen Frölich aus Sosa und die Klempnerei Polusik aus Aue.</font> <font size="2">Während in der Burggemeinde die Bauelemente im Sommer 2011 unter Hochdruck zusammengebaut wurden, montierten überwiegend</font> <font size="2">Mitarbeiter der zwei Firmen aus dem Westerzgebirge das Material in Sotschi. Etec übernimmt die Vermarktung der wahrscheinlich</font> <font size="2">modernsten Anlaufspur, die es derzeit gibt.</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">"Da steckt viel Herzblut drin."</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">Steffen Jarzombek Geschäftsführer</font>
<font size="2"><br> Bisher verfügen noch nicht viele Schanzen über das ausgeklügelte System - in unzähligen Arbeitsstunden von Köpfen der Region</font> <font size="2">ausgetüftelt. Dahinter stecken nicht nur Mitarbeiter der genannten Firmen, sondern auch einer der erfolgreichsten Skisprungtrainer</font> <font size="2">überhaupt: Joachim Winterlich aus Beierfeld. Der ehemalige Übungsleiter von Deutschlands bestem Schanzenadler Jens Weißflog "muss</font> <font size="2">mit genannt werden, wenn es um die Entwicklung von Aloslide geht. Er hatte die Idee, war ständig in die Entwicklung eingebunden, hat</font> <font size="2">uns mit seiner großen Erfahrung geholfen", so Elektromeister Johannes Frölich.</font> <font size="2"><br> <br> Auch die Schanze in Klingenthal, die Großschanze im kasachischen Almaty, wo Anfang 2011 die Asienspiele stattfanden, sowie die</font> <font size="2">Kleinschanze K 90 in Oberstdorf verfügen über das System, dem die Zukunft gehören wird. Denn der Internationale Skiverband FIS</font> <font size="2">empfiehlt, alle Schanzenanlagen im Weltcup mit einer Kombi-Eisspur auszurüsten.</font>
<font size="2"><br> Folgerichtig erhalten auch die Schanzen der nächsten Olympischen Winterspiele eine solche Spur. Der Montage im Dezember, zunächst</font> <font size="2">auf der Großschanze, waren jede Menge Arbeit und nervenaufreibende Vorbereitungen in Scharfenstein, Sosa und Aue</font> <font size="2">vorausgegangen. Innerhalb zweier Monate wurden in Scharfenstein die Bauelemente gefertigt, Geschäftsführer Steffen Jarzombek</font> <font size="2">stellte dafür sogar zwei Mitarbeiter ein. "Anfang August ging die Ware raus, einen Monat später sollte Montagebeginn in Sotschi sein",</font> <font size="2">erinnert sich Jarzombek. Im Westerzgebirge wurde etwa Befestigungsmaterial für die Bauteile zusammengeschraubt. 42 Kisten in vier</font> <font size="2">Lastkraftwagen traten die abenteuerliche Fahrt nach Sotschi an. Ende Oktober erreichten sie ihr Ziel.</font>
<font size="2"><br> Wenige Tage später flog Johannes Frölich mit einem siebenköpfigen Team zur Montage in das sechs Flugstunden entfernte Sotschi. Und</font> <font size="2">kehrte eine Woche später heim - "ohne einen Handschlag getan zu haben". Die Schanzen waren für den Einbau des Systems nicht</font> <font size="2">bereit. Ende November der zweite Versuch. "Unter einem Zelt, das über den Anlaufturm gespannt war, konnten wir unter äußerst</font> <font size="2">schwierigen Bedingungen arbeiten. Es herrschte Dauerfrost. Zum anderen hatte die Vorweihnachtszeit begonnen, das ist für einen</font> <font size="2">Erzgebirger im Ausland schon schwer auszuhalten", blickte Johannes Frölich zurück. Kurz vor dem dritten Advent, am 7. Dezember,</font> <font size="2">flogen die Erzgebirger nach Fertigstellung und Abnahme heim. Sie müssen jedoch dieses Jahr noch einmal nach Russland kommen, um</font> <font size="2">die Anlaufspur für die kleine Schanze zu montieren. "Die Bauteile lagern schon in Sotschi", sagt der Sosaer.</font>
<font size="2"><br> Die Erzgebirger schauen stolz auf ihre Weltneuheit. "Da steckt viel Herzblut drin", betont Steffen Jarzombek. Für ihn ist Aloslide auch</font> <font size="2">eine Referenz, über die man mit Firmen ins Gespräch kommt, um andere Aufträge zu akquirieren. Am Umsatz 2011 machte der</font> <font size="2">Sotschi-Auftrag fünf Prozent aus. Das ist bei Elektroanlagen Frölich etwas anders. "Wir haben 20 Prozent des Umsatzes damit</font> <font size="2">erwirtschaftet", weiß Johannes Frölich. Wichtiger aber, da sind sich Jarzombek, Frölich und Peter Polusik einig, zeigt Aloslide, was</font> <font size="2">erzgebirgische Betriebe leisten können: "Der Slogan <strong><a href="http://www.wirtschaft-im-erzgebirge.de" target="_blank" rel="noreferrer">,Erzgebirge gedacht - gemacht' </a></strong>trifft da zu." Und so kann Richard Freitag, wenn er</font> <font size="2">sich bei Olympia in Sotschi vom Balken abstoßen wird, auf Material zum Schanzentisch rauschen, das in der Heimat erfunden und</font> <font size="2">gebaut wurde.<br> <br> <br> </font><font size="2">Quelle: Freie Presse, Ausgabe Zschopauer Zeitung, 13.01.2012</font>