Firmenchef gibt Älteren eine Chance

Für Lothar Scharnbeck grenzt es an ein Wunder: Der 60-jährige Schweißer hat jetzt wieder eine feste Arbeit gefunden, bei der sein Wissen gefragt ist.
 
VON BEATE KINDT-MATUSCHEK
 
BEIERFELD: "Ich bin so froh und dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe", sagt Lothar Scharnbeck und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Draußen ist es extrem schwül und vorm großen Schweißautomaten, den der 60-jährige Grünhainer bedient, regelrecht heiß. Doch das macht ihm nichts aus. Er ist überglücklich, in seinem Beruf, in dem er seit 42 Jahren tätig ist, weiterhin arbeiten zu können. Als gelernter Schlosser hat er sich außerdem zum Schweißer qualifiziert und mittlerweile neun Schweißerpässe in der Tasche.

Hinzu kommt sein enormer Erfahrungsschatz. Genau dieser ist für Firmenchef Ludger Droege "Gold wert", wie er sagt. "Es ist wie beim Fußball, es geht nicht nur mit jungen Spielern. Man braucht auch erfahrene, alte Hasen in einer Mannschaft, um zu gewinnen", erläutert der ursprünglich aus dem Sauerland stammende Firmenchef. "Der Mix macht es. Man braucht Junge, die flott sind und voran kommen wollen, und Erfahrene, die Ruhe, Können und Zuverlässigkeit einbringen." Nach diesen Prämissen stellt der fußballbegeisterte Firmenchef seine Mannschaft auf und hat diese seit Jahresbeginn von vormals 85 auf derzeit 115 Mitarbeiter aufgestockt. Dabei setzt er vor allem auf Fachkompetenz und Teamfähigkeit. "Alter ist für mich kein Kriterium", meint Droege. Leistungsfähigkeit für ihn keine Frage des Alters, sondern der Einstellung.
 
Stolz verkündet der Chef: "Die DMB hat die Wirtschaftskrise hinter sich gelassen. Es geht wieder aufwärts, die Auftragsbücher sind gut gefüllt." Die Stanzroboter und Schweißmaschinen laufen im Zwei-Schicht-System und werfen wertvolle Formteile aus. "Wir arbeiten für die verschiedensten Branchen, haben einen breit gefächerten Kundenstamm, von der Automobilbranche über die Elektro- und Bauindustrie bis hin zu Möbelherstellern und sind dadurch auch nicht abhängig von einem Großabnehmer", so Droege. Im Haus der DMB werden Prototypen ebenso gefertigt, wie Blechformteile und Schweißbaugruppen. Man hat sich spezialisiert auf individuelle Zulieferungen von Baugruppen aus Metall. Dabei steht die höchste Produkt- und Servicequalität ganz oben an. "Wir entwickeln und konstruieren, verfügen über einen leistungsfähigen Werkzeugbau und produzieren mit dem Einsatz modernster Technik", umreißt der Chef das Geschehen in der Firma. 

Um auch künftig auf solides Fachpersonal bauen zu können, wird im Hause seit Jahren selbst ausgebildet. Derzeit gehören neun Lehrlinge, künftige Werkzeugmacher, Instandhaltungsmechaniker und angehende Elektriker zum Team. "Bei uns arbeiten Junge und Alte nebeneinander und das ist gut so. Dies stärkt auch die soziale Kompetenz, die in einer Firma enorm wichtig ist", heißt es. Genau deshalb habe er auch kein Problem damit, Frauen über 50 mit zwei oder mehr Kindern zu beschäftigen, wie er sagt. "Das sind gute Mitarbeiter, die bringen mehr ein als nur ihrer Hände Arbeit", meint Droege.
 
Doch zurück zu Lothar Scharnbeck, der, wie er betont, nie von den Almosen des Staates leben wollte und sich stets selbst um Arbeit gekümmert hat. "Ich hab' einfach meine Bewerbung abgegeben. Drei Tage später rief mich der Chef persönlich an. Ich dachte, ich träume", erzählt der Grünhainer, dessen Hobby der Kegelsport ist. Ein Herz für den Sport, die Kunst und die Region hat auch Firmenchef Droege. So sponserte er kürzlich das Fußballduell der Beierfelder gegen den FC Erzgebirge Aue und ist ein Fan der Bilder und Arbeiten von Künstlerin Antje Henkel-Ludwig.

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 24.06.2011