Jungbrunnen sprudelt genau in der Mitte des Kreises

Das Durchschnittsalter liegt aktuell bei 46,8 Jahren - Zwischen den einzelnen Kommunen gibt es aber deutliche Unterschiede
Die Bevölkerung in Sachsen ist im Durchschnitt 45,9Jahre alt. Dies hat das statistische Landesamt mitgeteilt. Der Erzgebirger ist mit 46,8Jahren sogar noch ein Stück älter.
Von Gunter Niehus
Tannenberg. Christoph Neubert (Bürgerforum), Bürgermeister von Tannenberg, hat gut lachen. In seiner Gemeinde wohnen, statistisch gesehen, mit 43,6Jahren die jüngsten Erzgebirger. "Bei uns gleicht die Geburtenrate die Sterberate aus", nennt er eine der Ursachen. Doch der Babysegen allein ist für den "Jungbrunnen" in der Mitte des Landkreises nicht verantwortlich. "Viele Senioren ziehen weg und leben in Einrichtungen des betreuten Wohnens in Annaberg oder Geyer", so der Rathaus-Chef. "Deshalb gibt es bei uns nur wenige 90- oder gar 100-Jährige."
In Heidersdorf bleiben die Senioren laut Bürgermeister Dieter Lippmann (parteilos) dagegen meist bei ihren Familien. Dennoch steht der Ort mit einem Durchschnittsalter von 44Jahren gut da. Die Gründe kennt er selber nicht genau. "Wir haben bei der Gewerbesteuer die niedrigsten Hebesätze in ganz Sachsen", so Lippmann. "Vielleicht ist das ein Grund." Der 900-Seelen-Ort stehe finanziell gut da. Und könne seinen Bürgern dadurch ein schönes Wohnumfeld bieten.
Gut leben lässt es sich vom Prinzip auch in Johanngeorgenstadt. Dennoch trägt die Kommune mit einem Durchschnittsalter von 49,4Jahren die rote Laterne. Dabei war die Bevölkerung 1990 mit 37,5Jahren eine der jüngsten im Gebiet des heutigen Erzgebirgskreises. Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) nennt drei Hauptursachen. "Zum einen war die Wirtschaft zu DDR-Zeiten sehr stark von Großbetrieben geprägt", so der Rathaus-Chef. Als diese nach der Wende zerbrachen, zogen viele jungen Leute weg. Dies fiel ihnen leicht auf Grund von Punkt zwei: In Johanngeorgenstadt gab es wenige Hauseigentümer, sondern statt dessen überdurchschnittlich viele Mieter, für die es kein Problem war, der Arbeit hinterherzuziehen. Für die geringe Grundeigentümer-Quote verantwortlich ist laut Hascheck der Abriss der Altstadt bis 1953. Diesem seien Werkstätten und Läden vieler selbstständiger Gewerbetreibender zum Opfer gefallen - Ursache Nummer drei für Johanngeorgenstadts Bevölkerungsproblem. Dadurch gab es niemanden, der den Arbeitnehmern der kaputt gegangenen Großbetriebe eine neue Perspektive vor Ort hätte eröffnen können.
Der Zusammenbruch der DDR-Großbetriebe hat Lugau mit 48,7 Jahren ebenfalls ein hohes Durchschnittsalter beschert. Einige Probleme sind aber hausgemacht, räumt Bürgermeister Thomas Weikert (Die Linke) ein. "Kurz nach der Wende hatten wir einige Fehlentwicklungen", so Weikert. "Beispielsweise wurde ein Wohnhaus an einer stark befahrenen Bundesstraße gebaut. Das steht inzwischen leer."
 
 
Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 10.09.2010