Pilotprojekt: Flüchtlinge sollen zu CNC-Spezialisten werden

Dr. Bernd Hentschel (Foto: studio2media)
Wirtschaft und Verwaltung wollen etwas gegen den Fachkräftemangel tun. Doch die Ausbildung von Ausländern kann im September noch nicht starten.

Stollberg.
Der Personalengpass im Erzgebirge wird ganz besonders deutlich auf der Homepage der Wirtschaftsförderung. Hier sind allein 27 Stellen für CNC-Fachkräfte ausgeschrieben. Gesucht wird das gesamte Spektrum: CNC-Einrichter, CNC-Fräser, CNC-Dreher, CNC-Programmierer. Ohne diese Berufsgruppe lassen sich die hochproduktiven Maschinen und Anlagen jedoch nicht bedienen, müssen mitunter sogar Aufträge abgelehnt werden.

Gegen diesen Fachkräftemangel gehen nun Firmen, Bildungsträger und Behörden einen mutigen Schritt. In einem Pilotprojekt sollen Flüchtlinge zu CNC-Fachkräften ausgebildet werden. Der für September geplante Ausbildungsbeginn musste aber verschoben werden. "In dieser Ausbildungsklasse gibt es noch viele freie Plätze", sagte Bernd Hentschel, Gesellschafter der Stollberger Firma Henka. Die Gründe dafür sind vielfältig. So haben knapp 30 Prozent der Flüchtlinge in der Region Südwestsachsen keinen Hauptschulabschluss. Elf Prozent besitzen diesen und neun Prozent die mittlere Reife. Oftmals ist es für die Bundesagentur für Arbeit schwierig, die Abschlüsse zu beurteilen. Sie sind mit den deutschen generell nicht vergleichbar. "Zwischen dem, was der Flüchtling sagt und dem, was er hat, liegen Welten", sagte Sachsens DGB-Vize Markus Schlimbach. Hier seien die Jobcenter noch stärker gefragt. "Sie müssen zulegen und sich schnell einen umfassenden Überblick über Berufe und Abschlüsse in den Herkunftsländern verschaffen." Mehr als die Hälfte der arbeitslosen Flüchtlinge wird bei der Bundesagentur als nur für Helfertätigkeiten geeignet geführt.


Quelle: Freie Presse vom 06.07.2016, Ramona Nagel