SERIE: MADE IN ERZ - Das Geheimnis des blauen Wasserhahns

Anja Oberender ist erfolgreiche Geschäftsführerin: Die Firma Wobek bietet umweltfreundliche Rostschutz-Verfahren an, aber auch ein patentiertes Verfahren für Dekorlackierungen - von der Autofelge bis zum Bad-Accessoir.
<font size="2">VON JAN OECHSNER</font>
<font size="2">STOLLBERG - Der mattblaue Wasserhahn ist nicht nur ein Wasserhahn, sondern so was</font> <font size="2">wie ein Testutensil. Denn hier in der Waschecke, am Geschäftsführerbüro der Stollberger</font> <font size="2">Firma Wobek, geht es zur Sache: Die Mitarbeiter nehmen grobe Waschpaste, um zum</font> <font size="2">Mittag oder nach Dienstschluss ihre Hände zu reinigen. "Wenn unser neuer</font> <font size="2">Dekorationslack auf dem Wasserhahn diese tagtägliche Materialbeanspruchung aushält,</font> <font size="2">dann ist er auch gut", sagt Anja Oberender mit einem Lächeln. Sie geht in ihr Büro. Auf</font> <font size="2">dem Schild steht: Geschäftsführung.</font>
<font size="2"><br> Was die Chefin da erzählt, ist natürlich nur zum Teil ernst gemeint. Aber in jedem</font> <font size="2">Augenzwinkern ist ja bekanntlich immer der Blick für das Wesentliche zu finden: Die Firma</font> <font size="2">Wobek braucht sich nicht zu verstecken, wenn es um Qualität geht. Und daher ist die</font> <font size="2">junge Frau auch Botschafterin des Erzgebirges. Von denen gibt es mittlerweile 54. In</font> <font size="2">dieser Riege ist das weibliche Geschlecht nicht so stark vertreten wie die Männer. "Deshalb</font> <font size="2">bin ich auch gefragt worden, ob ich mitmachen möchte." Sie mochte.</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">"Nach dem Abkühlen kann der Kunde das Teil sofort mitnehmen"</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">Geschäftsführerin Anja Oberender</font>
<font size="2"><br> Sie als Botschafterin, das passt. Denn genaugenommen ist Oberender sogar</font> <font size="2">Geschäftsführerin im Doppelpack. Da gibt es zum einen die Wobek Oberflächenschutz</font> <font size="2">GmbH: Dort werden metallene Industrieteile aller Art mit Pulverbeschichtung vor Rost</font> <font size="2">geschützt. Dabei wird lösungsmittelfreies - also umweltfreundliches - Beschichtungspulver</font> <font size="2">verwendet: Minikügelchen in der gewünschten Farbe werden statisch aufgeladen und</font> <font size="2">bleiben so an der Metallfläche gleichmäßig verteilt haften. Oberender: "In einer</font> <font size="2">Hitzekammer bei Temperaturen von bis zu 200 Grad Celsius vernetzt der Pulverlack und</font> <font size="2">bildet eine Oberfläche mit optimalem Rostschutz." Vorteil: Alles gehe schneller als beim</font> <font size="2">Nasslack. "Nach dem Abkühlen kann der Kunde das Teil sofort mitnehmen."</font>
<font size="2"><br> Sie hat neben der vor etwa 20 Jahren gegründeten Mutterfirma Wobek, bei der sie mit</font> <font size="2">ihrem Vater die Geschäftsführung innehat, noch das Tochterunternehmen Wobek Design</font> <font size="2">kreiert. Motto: Das Auge will auch seinen Spaß. Wer also seine Autofelgen mit Wurzelholz</font> <font size="2">beziehungsweise im Marmorton verschönern mag oder seinen Fahrradrahmen im</font> <font size="2">Leopardenlook, der ist bei Wobek ebenso richtig wie einer, der seine Wasserhähne im Bad</font> <font size="2">sandsteinfarben haben will. Unzählige Dekors und Farbvarianten gibt es für allerlei Teile.</font><font size="2">Eben auch das schöne Blau am "Test-Hahn" in der Waschecke beim</font> <font size="2">Geschäftsführerbüro ...</font>
 
<font size="2">Auch bei diesem Geschäftsfeld kommt die schon erwähnte Pulverbeschichtung zum Einsatz </font><font size="2">- aber nur als Untergrundschicht für den Rostschutz. Damit kombiniert wird ein so </font><font size="2">genanntes Wassertransferdruckverfahren. "Dies ermöglicht es, dreidimensionale </font><font size="2">Metallteile aller Art mit einem Dekor zu versehen. Das ist für viele Privatkunden </font><font size="2">interessant", sagt Oberender. Dies ist deutschlandweit nur in Stollberg zu haben - weil </font><font size="2">geschützt. Patentnummer: 10 2006 024 143.6.</font>
<font size="2"><br> Noch ist Wobek nicht gleich Wobek. Noch ist die eine Geschäftsführerin Oberender nicht</font> <font size="2">auf dem Niveau der anderen Geschäftsführerin Oberender. Will heißen: Der</font> <font size="2">Oberflächenschutz macht fast den ganzen Umsatz, das Dekordesign nur einen Bruchteil</font> <font size="2">aus. "Aber wir wollen auf etwa 20 bis 30 Prozent Anteile kommen", sagt Oberender und</font> <font size="2">meint die neue Firma Wobek Design. Deshalb haben sie und ihr Team in eine neue 1800</font> <font size="2">Quadratmeter große Produktionshalle investiert: 2,3 Millionen Euro, davon Fördergelder</font> <font size="2">vom Freistaat und der EU. Jetzt können beide Wobek-Firmen auf einem ganzen Fußballfeld</font> <font size="2">- 4800 Quadratmeter Hallenfläche - beschichten, verspiegeln, strahlen, lackieren. Und</font> <font size="2">nach der Arbeit die Hände mit Waschpaste schrubben - ohne Bedenken: Der Lack am</font> <font size="2">Wasserhahn drüben in der Waschecke hält das aus.</font>
 
 
<font size="2">Quelle: Freie Presse, Ausgabe Stollberger Zeitung, 17.02.2011</font>