SERIE: MADE IN ERZ - Pilot verschafft sich mit Kopfhörern Gehör

Jörg Wendler aus Herold fertigt ein Nischenprodukt. Seine Headsets für Piloten und Passagiere sind sogar schon Sieger im Preis-Leistungs-Verhältnis geworden.
VON THOMAS SCHMIDT
HEROLD - Erst hat er spezielle Uhren gebaut, jetzt sind es Kopfhörer. Ganz besondere
allerdings, nämlich welche für Piloten und deren Fluggäste. "Die Idee ist mir vor etwa
sechs Jahren gekommen. Ich wollte die Kommunikation innerhalb des Cockpits
verbessern", schildert Jörg Wendler die Anfänge. Der Pilot aus Herold, der bei so
genannten Selbstkostenflügen auch Passagiere mitnehmen darf, hatte bei den bis dato auf dem Markt befindlichen Sets einige Mängel entdeckt: "Die Dämpfung war nicht gut und die Kopfhörer saßen zu straff, weil zu wenig Polster aufgebracht war."
 
"Aus meinem Hobby ist eben eine neue Marke entstanden."
 
Jörg Wendler Pilot aus Herold

Also setzte sich der Erzgebirger hin und bastelte aus verschiedenen Komponenten etwas
Neues. "Mir macht es Spaß zu friemeln und andere Möglichkeiten zu entdecken", sagt der
gelernte Werkzeugmacher. Aus der Friemelei ist inzwischen ein Testsieger geworden. In
der Fachzeitschrift Fliegermagazin jedenfalls landete Wendlers Kopfhörer Aero-Star
comfort - so nennt sich das Produkt - auf Platz 1 in der Kategorie Preis-Leistungs-
Verhältnis. Dies war vor reichlich einem Jahr. "Seitdem ist der Absatz deutlich gestiegen",
bilanziert der Herolder erfreut. Seine Entwicklung vereine hohen Tragekomfort mit
exzellenter Lärmdämmung, weichen Kopfbügeln, elastischen Ohrpolstern, die sich
besonders gut anpassen, einem flexiblen Mikrofonarm, der rechts oder links getragen
werden kann und sei stereotauglich. "Aus meinem Hobby ist eben eine neue Marke
entstanden", nennt es der 43-Jährige. Beim Material ist er dabei beispielsweise in der
plastischen Chirurgie fündig geworden. "Von dort stammen die Silikon-Polster für die
Ohrmuscheln", erklärt der Herolder, der das meiste im Online-Geschäft an den Mann
bringt. Es sei ja nicht gerade ein Artikel, den jeder brauche. "Aber der Eigenvertrieb, auch
an Händler, sichert zudem die Arbeitsplätze für meine drei Beschäftigten mit", nennt er
einen Vorteil dieses Absatzweges. Uns dies wiederum sichert, dass er vielleicht im
Sommer - am liebsten mit einer Cessna - wieder mit seiner Frau Nannett sowie den
Töchtern Elisabeth und Hanna privat in den Urlaub fliegen kann. Denn der Pilotenschein
war schließlich der Ausgangspunkt all dieser Tüfteleien, von denen auch die Borduhren
zeugen. "Ich habe einige davon abgesetzt, sogar bis in die USA und nach Indonesien.
Insgesamt sind es aber zu wenige", gibt er offen zu. Mit den Kopfhörern habe er da
wesentlich mehr Erfolg. 2010 hat er rund 1000 Exemplare seines Aero-Star verkauft.
Auch, da sie teils nur etwas mehr als die Hälfte der konkurrierenden kosten. Sein Produkt
gilt aber als Elektroteil. Dies hat insofern Bedeutung, weil er dadurch für die fachgerechte
Entsorgung bürgen muss. Und aufgrund der vielen kleinen Teile ist dies nicht ganz einfach. Doch lieber ist es dem Tüftler, dass er gar nicht erst zum Entsorgen kommt.

1998 hat Jörg Wendler eine Firma für Werkzeuge gegründet. So produziert er
beispielsweise Diamantbohrkronen. 2005 kam dann die Firma Aero-Star hinzu, mit der er
sich wirtschaftlich in seinem Hobby verwirklicht. In luftige Höhen stieg er in der jüngsten
Vergangenheit aber zunächst auf ganz andere Weise: "Wir mussten das Flachdach der
Produktionshalle abschaufeln." Doch das war für einen, der nach der Wende Wetterkunde, Luftrecht, Navigation und Englisch gepaukt hat, um als Pilot überhaupt selbst fliegen zu dürfen, eher eine leichte Übung.
 
 
Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 14.01.2011