Von einem der auszog, um zurückzukehren

Tischlermeister Markus Trommer hat Bayern den Rücken gekehrt. Er arbeitet wieder im Erzgebirge und eröffnet morgen seine neu gebaute Tischlerei.
VON RAMONA NAGEL
SCHÖNHEIDE - Die Zeit wird knapp, die letzten Handgriffe müssen sitzen. Denn morgen
eröffnet Markus Trommer seinen neuen Betrieb in Schönheide. Es ist nicht sein erster,
aber sein erster neu gebauter. Und damit beginnt für ihn und seine Familie eine neue
Zeitrechnung. Denn Trommer arbeitet zu Hause und muss nicht mehr pendeln. Eine neue Lebensqualität.

Vor sieben Jahren war Trommer nach Bayern gegangen und zunächst vier Jahre lang als
Meister in einer Münchner Tischlerei angestellt. "Mein Chef hätte es sehr gern gesehen,
wenn ich in den Betrieb einsteige", meint er. Fachkräfte aus dem Osten Deutschlands
seien noch immer sehr begehrt. Das Angebot war sehr verlockend, doch eigentlich wollte
er zurück ins Erzgebirge. "Ich habe hier Haus und Familie und wollte nicht noch einmal
von null beginnen", meinte Trommer. Ab einer bestimmten Lebenserfahrung müsse man
sich nicht ständig neu beweisen. Als das dritte Kind zur Welt kam, war die Zeit reif für eine
Entscheidung.

Der Tischlermeister suchte zunächst in seiner Heimatregion nach einem Betrieb, den er
übernehmen konnte. Doch dieses Vorhaben gestaltete sich schwierig. In Sachsen gab es Angebote. Doch hier wurden nach der Wende viele Betriebe neu gebaut, die Besitzer wollen ihren Betrieb verkaufen, er ist ihre Altersvorsorge. Die Angebote waren zu teuer. Auch ein Neubau schied aus. "Ich will kein Wald- und Wiesentischler sein", verdeutlicht Trommer seinen Anspruch. Er möchte etwa auch Möbel bauen oder alten zu neuem Glanz verhelfen. Und gerade dazu seien einige Spezialmaschinen erforderlich. Eine Tischlerei neu zu bauen, sei sehr kostenintensiv.

"Ich habe hier Haus und Familie und wollte nicht noch einmal von null beginnen"

Markus Trommer Unternehmer

Auf der Suche nach etwas Eigenem wurde Markus Trommer im bayerischen Münchberg
fündig. Hier gab es eine freie Tischlerei, deren Chef verstorben war. Der Handwerksbetrieb stand bereits seit fünf Jahren leer. Trommer war realistisch und wusste, auf was er sich da einlässt: "Für einen Erzgebirger ist es in Oberfranken sehr schwierig, umgekehrt verhält es sich aber sicherlich genau so." Er gehörte jetzt zu den täglichen Pendlern, morgens ging es eine Stunde hin und abends eine Stunde zurück.

Die Arbeit in Münchberg entwickelte sich nicht so, wie erhofft. Der Betrieb lag mitten in
der Stadt, vor allem Reparaturarbeiten waren hier von den Kunden gefragt. Zwei Drittel
bis drei Viertel des Umsatzes kamen aus dem erzgebirgischen Wohnumfeld und damit eine nüchterne Bilanz: "Die Miete war eine ständige Belastung. Allein von den Aufträgen aus Münchberg konnte ich nicht leben."

Sein Vater motiviert Markus Trommer, sich zumindest einmal einen Neubau zu überlegen.
Denn der langjährige Bürgermeister von Schönheide ist von Beruf Bauingenieur und weiß, dass der Staat Neubauten fördert. Die Motivation gelingt. "Ich hatte Glück, denn dieses Programm gibt es jetzt nicht mehr", meint der Tischlermeister.

Morgen nun ist es soweit, der Betrieb wird offiziell eröffnet. Ein Mitarbeiter wurde
eingestellt. Der Standort am Ortseingang direkt an der Straße sei bewusst gewählt, sagt
Trommer. Das Gebäude kann nicht übersehen werden - ein gutes Marketing. Die Fassade ist zur Straße hin verglast und damit von außen einsehbar. Die Leute könnten gern rein- und vorbeischauen und sehen, dass hier Handwerker arbeiten.

Markus Trommer hat zwölf Jahre Erfahrung als Meister - und Ideale. "Ich will in der Region
arbeiten und nicht auf Baustellen bundesweit. Auch im Erzgebirge gibt es Chancen und
Möglichkeiten, es können doch nicht alle gehen", sagt der Unternehmer. Er freue sich auf
individuelle Arbeiten, man müsse endlich weg von der Wegwerfgesellschaft. "Handwerk
hat goldenen Boden", ist sich Trommer sicher. "Aber die Handwerker müssen auch einiges
dafür tun."
 
 
Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 17.12.2010