Der asiatische Erzgebirger aus Japan - und Aue

54 Botschafter werben derzeit für das Erzgebirge. Doch keiner ist so widersprüchlich und damit so spannend wie ausgerechnet Naoshi Takahashi.
<font size="2">VON JAN OECHSNER</font>
<font size="2">AUE - Für jeden Marketingexperten ist Naoshi Takahashi ein Segen: Der Mann spricht</font> <font size="2">nicht gerade fließend deutsch, und hat zudem einen japanischen Dialekt. Er lebt zwar im</font> <font size="2">Erzgebirge, aber besitzt nicht mal die deutsche Staatsbürgerschaft. Trotzdem ist er</font> <font size="2">Botschafter für die hiesige Region. Und jeder fragt sich in der ersten Sekunde staunend:</font> <font size="2">Hat sich Naoshi Takahashi verlaufen?</font>
<font size="2"><br> Hat er nicht. Und schon kommt Spannung auf - und der Marketingeffekt dieses Mannes</font> <font size="2">greift: Takahashi, der Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Erzgebirgischen Theater</font> <font size="2">und Orchester GmbH? Plötzlich ist das Erzgebirge eine Marke, plötzlich ist die Region</font> <font size="2">interessant. Schon seit 2006 lebt er dort? Warum? Und will er dortbleiben?</font>
<font size="2"><br> Dann nickt Takahashi und erzählt, dass die Leute im Erzgebirge wie die Japaner sind.</font> <font size="2">"Beide sind nicht so wie die Amerikaner, die oft nur oberflächlich nett sind." Und ja, er will</font> <font size="2">im Erzgebirge bleiben. Wegen seines Jobs, wegen der Grundschüler, denen er Klassik</font> <font size="2">beibringt, wegen seiner Familie. Und wenn dann der Musiker noch sagt, dass er nicht nur</font> <font size="2">Mozarts Klavierkonzert Nummer 19 besonders mag, sondern auch den erzgebirgischen</font> <font size="2">Komponisten Peter Gast bald beim Kammerkonzert im japanisch/deutschen Zentrum in</font> <font size="2">Berlin spielen will, ist eigentlich fast alles gesagt.</font>
<font size="2"><br> Zwei, drei Mal im Jahr verlässt Takahashi seine Heimat in Aue, um entweder auf</font> <font size="2">Auslandskonzerte zu gehen oder in die andere Heimat nach Japan zu fliegen. Dann ist er</font> <font size="2">immer auch Botschafter. "Kürzlich besuchte ich den Japanischen Botschafter in Berlin, wir</font> <font size="2">sprachen von Botschafter zu Botschafter", sagt Takahashi. "Ich habe ihm viel erzählt - von</font> <font size="2">unserem Orchester und das wir dieses Jahr wieder eine CD einspielen bis hin zum FC</font> <font size="2">Erzgebirge Aue", so der japanische Erzgebirger. Er sieht seine Region, die er vertritt, vor</font> <font size="2">allem als touristisches Land mit hohem Potenzial. "Die Menschen hier sind ehrlich." Das</font> <font size="2">Adjektiv nett hatte er ja bereits verwendet. Und das Ehrliche, das Nette, das kann er</font> <font size="2">einschätzen, wie er glaubt. "Ich bin ja auch Japaner, habe also einen gesunden Blick von</font> <font size="2">außen."</font>
<font size="2"><br> Für jeden Marketingexperten ist dieser Erzgebirger in der Tat ein Geschenk. Denn sogar</font> <font size="2">der Name passt - und klingt nach Werbeprogramm: Naoshi bedeutet in etwa ehrliche</font> <font size="2">Geschichte. Und Takahashi ist die hoch gebaute Brücke.</font>
 
<font size="2">Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 28.01.2011&nbsp;</font>