"Die Mannschaft zieht mit"

Eisenwerk Erla GmbH meistert kritische Monate - Umsatz steigt auf 85 Millionen Euro
Von Frank Nestler
Erla. In der Eisenwerk Erla GmbH laufen jetzt fast alle Produktionsanlagen wieder dreischichtig. "Wir sind mit schwarzen Zahlen durch die Wirtschaftskrise gekommen", erklärt Hauptgeschäftsführer Dietmar Hahn. Im selben Atemzug verweist er darauf, dass das "ein Verdienst der ganzen Mannschaft" war. "Wir mussten zum Beispiel eine zugesagte Lohnerhöhung aussetzen. Das löst keine Freudensprünge aus."
Fast symbolisch fiel die nun wieder volle Auslastung der Kapazitäten mit einem Jubiläum an der 1989 aufgestellten vertikalen Formanlage zusammen: An der "Disamatic" gab es die 20-millionsteAbformung, ein Turbinengehäuse. "Diese Anlage lief anfangs ein- oder zweischichtig, jetzt 16 Schichten pro Woche. Sie hat uns in schwierigen Zeiten förmlich das Leben gerettet. An unserer zweiten, horizontalen Formanlage hatten wir in der Krise deutliche Rückgänge", sagt Hahn. Das Eisenwerk Erla, das unter anderem Turboladergehäuse, Kurbelwellen, Abgaskrümmer und Ausgleichswellen herstellt, arbeitet zu zirka 85 Prozent für die Automobilindustrie. BorgWarner, IHI, Audi und VW, Daimler, BMW und Fiat zählen zu den wichtigsten Endkunden der traditionsreichen Eisengießerei.
350 Beschäftigte verdienen in dem zur indischen Sanmar-Gruppe gehörenden Unternehmen ihr Geld. Derzeit werden 19 junge Leute ausgebildet, darunter einige Studenten. "Seit 2009 sind wir Erlaer auch verantwortlich für eine in Südindien auf der grünen Wiese entstandene Gießerei. Dort arbeiten ebenfalls rund 350 Leute", so Hahn, der beruflich bedingt mehrmals im Jahr auf den Subkontinent fliegt und wie viele Mitarbeiter, die mit Export zu tun haben, Englisch spricht. "Ängste, dass uns durch das Werk in Indien Aufträge abgezogen werden, konnten wir weitgehend zerstreuen."
Dank der Anstrengungen im gesamten Unternehmen (Hahn: "Natürlich muss es einen Dirigentengeben. Aber unsere Mannschaft folgt dem Dirigenten.") hat das Eisenwerk im vorigen Jahr trotzproblematischer Wirtschaftssituation einen Umsatz von 69 Millionen Euro erwirtschaftet. Für daslaufende Jahr wird mit einer Steigerung auf etwa 85 Millionen Euro gerechnet. "Doch das sind Zahlen, die eigentlich abgehakt werden können. Wir haben bereits einen ordentlichen Auftragsvorlauf, aber wir müssen strategisch denken, uns jetzt schon um Aufträge für die Jahre ab 2013 kümmern", betont der Hauptgeschäftsführer.
Längst bewährt hat sich die neue verkehrstechnische Anbindung der Firma über die große Talbrücke und die Gießereistraße. "Nach Jahrhunderten gibt es jetzt endlich ein abgeschlossenes Betriebsgelände", sagt Hahn. Dort sind noch bauliche Erweiterungen möglich. Für den Fall hat das Werk Interesse an Bahngelände bekundet, wohin der Firmenparkplatz verlegt werden könnte.
 
 
Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 10.09.2010