Ein Kurort hadert mit seiner Vergangenheit

Darf Bad Schlema mit den Zeugnissen des Uranbergbaus werben? Und soll der Ort dies überhaupt? Mit diesen Fragen tut sich die Gemeinde schwer.
<font size="2">VON GUNTER NIEHUS</font>
<font size="2">BAD SCHLEMA - Das Erzgebirge soll Unesco-Welterbe werden. Für dieses Ziel kämpft</font> <font size="2">seit Jahren der Förderverein Montanregion Erzgebirge. Einige Orte im Altkreis Aue-</font><font size="2">Schwarzenberg machen mittlerweile mit. Die Gemeinde Bad Schlema hat Interesse</font> <font size="2">signalisiert, sich ebenfalls an dem ehrgeizigen Projekt zu beteiligen. Über die Frage, was</font> <font size="2">der Kurort in das Gesamtkonzept einbringen kann, sind im Gemeinderat jedoch heiße</font> <font size="2">Diskussionen entbrannt. Auf einen knappen Nenner gebracht lautet die entscheidende</font> <font size="2">Frage: Soll der Kurort mit den Hinterlassenschaften des Wismut-Uranbergbaus werben</font> <font size="2">oder dieses Kapitel seiner Geschichte lieber bewusst verschweigen?</font>
<font size="2"><br> "Unser Kurort und die Entwicklung des Tourismus sind nur schwer mit Uran in Einklang zu</font> <font size="2">bringen", ist Oliver Titzmann (Freie Wähler) überzeugt. "Es wäre besser, nur den</font> <font size="2">Floßgraben als Objekt für die Unesco-Welterbeliste auszuwählen." Frank-Michael Horbach</font> <font size="2">(SPD) hat dazu eine ganz andere Meinung. Er sieht das Thema Uran eher als Chance und</font> <font size="2">will die erfolgreiche Sanierung in den letzten 20 Jahren in den Mittelpunkt stellen. "Genau</font> <font size="2">das muss man den Leuten erklären", ist er überzeugt. Bürgermeister Jens Müller (Freie</font> <font size="2">Wähler) sieht dies offenbar ähnlich und will den Fokus auf die Erfolge richten. Ganz wohl</font> <font size="2">ist ihm bei der ganzen Sache aber offenbar nicht. "Man muss schon sehr aufpassen, dass</font> <font size="2">das Ganze unsere Entwicklung als Kurort nicht gefährdet", so der Rathaus-Chef.</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">"Wenn Sie etwas unter den Teppich kehren, stolpern die Menschen erst recht</font> <font size="2">darüber."</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">Jens Kugler Projekt Montanregion</font>
<font size="2"><br> Hermann Meinel, Leiter des Museums Uranbergbau in Bad Schlema, rät zu mehr Mut bei</font> <font size="2">diesem Thema. "Ich weiß, Schlema hat für den Wismut-Bergbau bitter bezahlen müssen",</font> <font size="2">räumt er ein. Und ergänzt: "Außerdem zucken die Leute automatisch zusammen, wenn</font> <font size="2">der Begriff Radioaktivität fällt. Aber auf der anderen Seite ist es wirklich einzigartig und</font> <font size="2">vorbildlich, wie hier mit den Folgen des Uranbergbaus umgegangen wurde." In vielen</font> <font size="2">Gegenden der Welt sei Sanierung dagegen ein Fremdwort, und die Bevölkerung werde mit</font> <font size="2">dem Problem völlig allein gelassen.</font>
<font size="2"><br> Deshalb geht Meinel nicht davon aus, dass ein offenes Bekenntnis zur Uran-Geschichte</font> <font size="2">schädlich für den Kurort wäre. "Abgesehen davon ist während des Wismut-Bergbaus in</font> <font size="2">Schlema Weltgeschichte geschrieben worden. Auch damit kann man werben."</font>
<font size="2"><br> In die gleiche Kerbe haut Jens Kugler, Mitarbeiter des Projekts Montanregion Erzgebirge.</font> <font size="2">"Nur mit dem Uran aus dem Gebiet um Schlema hatte die Sowjetunion damals die</font> <font size="2">Möglichkeit, im atomaren Wettrüsten mit den USA gleichzuziehen", so Kugler. Er würde</font> <font size="2">sich sehr wünschen, dass der Uranbergbau Teil des Gesamtprojekts Unesco-Welterbe</font> <font size="2">wird. Doch die Entscheidung, dies betont Kugler ausdrücklich, liegt ganz allein beim</font> <font size="2">Kurort. Einen Rat hat er dennoch parat - besser gesagt, eine Warnung: "Wenn Sie etwas</font> <font size="2">unter den Teppich kehren, stolpern die Menschen erst recht darüber."<br> <br> <br> </font><font size="2">Quelle: Freie Presse, Ausgabe Auer Zeitung, 11.02.2011</font>