Firmenkontakte auf Augenhöhe

Kooperationsbörse Erzgebirge in Schwarzenberg stellt Neuheiten vor und lotet regionales Potenzial weiter aus
Von Beate Kindt-Matuschek

Schwarzenberg. "Informieren, kontaktieren, kooperieren" lautet der selbst gestellte Anspruch der Kooperationsbörse der Zulieferindustrie im Erzgebirge, die gestern zahlreiche Firmenvertreter in die Ritter-Georg-Halle nach Schwarzenberg pilgern ließ. Gut 100 Firmen aus dem Erzgebirgskreis, aber auch aus Plauen und Chemnitz packten die Gelegenheit beim Schopf, um ihre Produkte, Neuheiten oder produktionsnahe Dienstleistungen zu präsentieren. Noch weit mehr Gäste und Firmenvertreter kamen jedoch, um zu sehen, zu hören und miteinander zu reden - auf der Suche nach neuen Geschäftspartnern, Ideen oder Anregungen.

"Das ist ja der eigentliche Sinn dieser Börse", sagt Almut Beck von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz. Seit 1997 bietet die IHK den Firmen im Kammerbezirk diese Art des Podiums zur Kontaktaufnahme untereinander. Seit 2005 wird die IHK dabei von der Wirtschaftsförderung Erzgebirge (WFE) unterstützt.

"Das Erzgebirge ist ein Industriestandort", betonte Hans-Joachim Wunderlich, Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz. 1600 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes seien im Kammerbezirk ansässig. Er sieht allein im Ausbau intensiver Kooperation ein enormes Wachstumspotenzial. Es geht um das Erkennen des Potenzials, um eine Zusammenarbeit der Firmen auf kurzen, effektiven Wegen. Doch das setzt voraus, dass man weiß, wer wo steckt und was er bietet.

Doch bevor sich die Aussteller und Besucher in individuelle Gespräche über Leistungsspektrum und Produktpalette vertiefen konnten, gab Carsten Stuhldreher vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst den Unternehmern einen Überblick über neue Förderprogramme, die speziell Innovationen in Firmen vorantreiben sollen. So erläuterte er sowohl die Innovationsprämie als auch die Förderung von Technologietransfers, beides Unterstützungen, die der Freistaat gewährt, um kleinen
und mittelständischen Unternehmen die Forschung und Entwicklung zu erleichtern.

"Was wir bieten, ist noch sehr neu", machte Romy Spehr am Stand der Firma Flexitex aus Kunnersdorf auf eine Produktneuheit aufmerksam. Vor ihr lagen dabei weiße Gewebestücke, die als Kabelschutz dienen können. Das besondere daran ist: Das weiße, baumwollartige Gewebe ist eine Glasfaser, die hitzebeständig ist und über 1500 Grad Celsius verträgt - ohne sich zu entzünden. Und die, entgegen der herkömmlichen Glasfaser, keine gesundheitsschädliche Wirkung auf den Menschen hat, ja nicht einmal "kratzt". Die Firma fertigt technische Textilien und bietet zudem maßgeschneiderte Roboterkleidung, beispielsweise für Lackierroboter.

Vertreten waren nahezu alle Branchen - von der Textil- bis zur Verpackungsmittelindustrie über die Kunststoffverarbeitung bis hin zum traditionellen Metallgewerbe. Schnell entspannen sich an allen Ständen angeregte Gespräche. Auch Annegret Fischer aus Niederwürschnitz nutzte den Messetag für intensive und persönliche Kontakte. Sie ist Geschäftsführerin einer Zeitarbeitsfirma und spezialisiert sich auf den regionalen Arbeitsmarkt. "Ich habe bei nahezu allen Gesprächen, die bislang hier geführt habe gemerkt, dass Interesse an Fachkräften besteht", sagt sie. Auch dies sei ein Zeichen dafür, dass die Konjunktur wieder anzieht, wie die meisten Firmenchefs bestätigten.
 
 
Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 30.09.2010