Hess streckt seine Fühler nach Indien aus

Der Spielzeughersteller aus Olbernhau verschickt mittlerweile 40 Prozent seiner Waren ins Ausland. Für dieses Jahr erwartet Firmengründer Günter Hess einen Umsatz von rund drei Millionen Euro.

VON KATHRIN WEIGERT

OLBERNHAU - Menschen in Indien lernen allmählich Holzspielzeug aus dem Erzgebirge zu schätzen. Das Land mit den 1,2 Milliarden Einwohnern hat es in diesem Jahr erstmals auf die Liste der Exportländer der Firma Hess Holzspielzeug geschafft. Zwar werden die Olbernhauer Produkte zunächst nur auf Messen in Indien gezeigt. Doch Kaufhäuser zeigen bereits Interesse. Vor allem auf den Märkten Indiens und Chinas erwartet Firmengründer Günter Hess daher für die Zukunft ein starkes Wachstum.

Seit 1990 stellt das Unternehmen Holzspielzeug her. Derzeit arbeiten knapp 70 Angestellte bei Hess. Berühmt wurde die Firma 1992, als sie die weltweit erste Schnullerkette aus Holz produzierte. Bis heute bilden diese die Hauptgruppe des Unternehmens: 60 verschiedene Schnullerketten hat Hess im Sortiment, rund 700.000 Stück werden in diesem Jahr produziert. Doch seit etwa drei Jahren erweitert Hess sein Sortiment um Spielzeug für über Dreijährige. "Um flexibel zu sein", begründete Günter Hess bei einem Besuch der SPD-Bundestagsabgeordneten Daniela Kolbe. "Und weil die Sicherheitsbestimmungen für Babyspielzeug immer härter werden. Da bleibt bald nichts mehr übrig, was wir noch herstellen können."

Produziert wird - damit wirbt die Firma Hess - zu 100 Prozent im Erzgebirge, in Deutschland. An der Grünthaler Straße sitzt vor allem die Verwaltung und wird die Ware gelagert, in Blumenau und Grünthal wird produziert. Und zwar mit moderner Technik wie Digitaldruckmaschinen und CNC-Robotern.

In rund 30 Länder exportiert Hess sein Spielzeug, etwa 40 Prozent der Produktion verlassen Deutschland. In Asien sind besonders Japan und Korea gute Abnehmer, allein dieser Kontinent nimmt Hess 15 Prozent seiner Gesamtproduktion ab. Doch wer im Ausland landen will, braucht Geduld. "Seit zwei Jahren gibt es zum Beispiel Schriftverkehr, damit wir unsere Waren auf dem russischen Markt verkaufen können. Aber erst in diesem Jahr läuft das Geschäft richtig an", sagte der Firmenchef. Doch Geduld zahlt sich aus. Vor allem in China wird eine Mittelschicht immer reicher, die Wert lege auf "Made in Germany".

Für dieses Jahr rechnet Günter Hess mit einen Umsatz von drei Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von fünf Prozent gegenüber 2010. Knapp zehn Prozent des Umsatzes erwirtschaftet die Firma mit dem Internethandel. Rund 1000 Artikel hat Hess im Katalog, hinzu kommen 300 bis 400 für exklusive Kunden. Jedes Jahr bringt die Firma rund 100 neue Produkte heraus. "Dazu gehören in diesem Jahr vier Puzzle, zehn Rasseln und mehrere Motive bei den Zahnputzuhren und Milchzahndosen", so Günter Hess, dessen zwei Töchter ebenfalls im Unternehmen arbeiten: Claudia entwirft die Designs, Manuela kümmert sich um die Buchhaltung.

Die aktuelle Diskussion um die Einführung eines Mindestlohns beobachtet Günter Hess kritisch. "Ich habe nichts dagegen, dass die Leute mehr verdienen", stellte er klar. Doch wenn er jenen, die unter dem Mindestlohn liegen, mehr zahlen müsse, müsste er auch allen anderen Angestellten mehr geben, um den Lohnabstand zu wahren. "Für uns wäre der Mindestlohn deshalb der Todesstoß", warnte Günter Hess. "Die Spielzeugbranche funktioniert ja ganz anders als etwa die Baubranche. Das Erzgebirge hat seine Wettbewerber komplett in Asien sitzen."

Lesung Der Schriftsteller Harald Linstädt aus Lübben in der Lausitz, der ein Kinderbuch über das Erzgebirge geschrieben hat, liest daraus am 14. Dezember ab 9.15 Uhr bei der Firma Hess, Grünthaler Straße 112. Hintergrund ist, dass die Tochter von Günter Hess das Buch illustriert hat. Größere Gruppen sollten sich unter Ruf 037360 7370 anmelden. Quelle: Freie Presse, Ausgabe Marienberger Zeitung, 06.12.2011