Junge Unternehmer stehen bei den Profis mit am Herd

An Sachsens Schulen herrscht Gründerzeit. Die Break Area Schüler-GmbH aus Zschopau ist nur eine von insgesamt 90 Schülerfirmen. Deren Kooperationen mit der realen Wirtschaft sind ausdrücklich erwünscht
<font size="2">VON DENISE MÄRKISCH</font>
<font size="2">ZSCHOPAU - Ein Duft von Honig, Ingwer und Olivenöl zieht durch die Restaurantküche</font> <font size="2">von Bernd Lippmann. Um den 53-jährigen Koch haben sich sechs Kinder und Jugendliche</font> <font size="2">versammelt. Ausgerüstet mit Kochmützen und Schürzen schnippeln die Schüler der</font> <font size="2">Martin-Andersen-Nexö-Mittelschule aus Zschopau Gemüse, karamellisieren Ingwer und</font> <font size="2">pürieren Karotten.<br> <br> </font>
<font size="2">Von Schülern für Schüler</font>
<font size="2"><br> Es sind nicht einfach nur Mittelschüler, die hier am Herd stehen, sondern waschechte</font> <font size="2">Unternehmer. Das Sextett gehört zur Schülerfirma Break Area, die mit Lippmann</font> <font size="2">kooperiert. An diesem Tag schnuppern die Junggastronomen Praxisluft bei dem Profi, denn</font> <font size="2">in der Schule ist das so gar nicht machbar.</font>
<font size="2"><br> Dort bieten die jungen Leute von der Schülerfirma lediglich in der Frühstückspause kleine</font> <font size="2">Snacks an. Das Sortiment reicht vom Müsliriegel bis zum Hot Dog. Bereits seit fünf Jahren</font> <font size="2">versüßt Break Area so die 20 Minuten Pause. Dabei organisieren die Elf- bis</font> <font size="2">Fünfzehnjährigen alles selbst. Es gibt eine Geschäftsführerin, Finanzreferenten, eine</font> <font size="2">Sekretärin und Einkäufer. "Sie lernen, wie man Abrechnungen macht, Bestellungen aufgibt</font> <font size="2">und Einkäufe plant", erläutert Lehrerin Astrid Seifert. Mit der Unterstützung der Deutschen</font> <font size="2">Kinder- und Jugendhilfestiftung (DKJS) sei der alte Kohlebunker in ein gemütliches Café</font> <font size="2">umgebaut worden..</font>
<font size="2"><br> "Wir sind zu einem richtigen Treffpunkt geworden", freut sich Jane Schulze. Die 15-Jährige</font> <font size="2">ist die Geschäftsführerin der Schüler-GmbH. Sie hält die Fäden zusammen, führt neue</font> <font size="2">Mitarbeiter ein und ist erster Ansprechpartner für das zwölfköpfige Team. "Täglich</font> <font size="2">kommen zwischen 40 und 60 Schüler zu uns ins Café. Damit die auch schnell bedient</font> <font size="2">werden, müssen zwei bis drei Mitarbeiter ihre Pause opfern und verkaufen", erzählt die</font> <font size="2">Zehntklässlerin.</font>
<font size="2"><br> Pro Monat setzt das Unternehmen zwischen 200 und 300 Euro um. Als Gewinn bleiben 10</font> <font size="2">bis 20 Euro. Ein Gehalt gebe es nicht, "aber wir gehen ab und zu Pizzaessen oder spenden</font> <font size="2">das Geld an die Welthungerhilfe", so Jane. Wofür es letztendlich verwendet wird, können</font> <font size="2">die Schüler selbst entscheiden. "Von der Firmenidee, über die tägliche Umsetzung bis hin</font> <font size="2">zu den Finanzen liegt alles in Schülerhand", erklärt Jacqueline Behr,</font> <font size="2">Schülerfirmenbetreuerin bei der DKJS. Die Stiftung betreut in Sachsen 15 Unternehmen.</font> <font size="2">Insgesamt gibt es im Freistaat rund 90 Schülerfirmen. "Unser Ziel ist es, im Zuge der</font> <font size="2">Berufsorientierung an den Schulen den Kontakt zur Wirtschaft zu verstärken", sagt Behr.</font> <font size="2">Aus ihrer Sicht ist es erstaunlich, wie eigenständig die Schüler agieren. "Es muss zwar bei</font> <font size="2">speziellen Abläufen weitergeholfen werden und oft sind auch ein paar Anstöße nötig, aber</font> <font size="2">viele Ideen entwickeln die Mädchen und Jungen ganz allein", erzählt Behr stolz.</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">Schnupperstunde im Restaurant</font>
<font size="2"><br> </font>
<font size="2">Zur Zeit verfolgt das Zschopauer Team mit Unterstützung von Bernd und Beate Lippmann</font> <font size="2">ein besonderes Praxis-Projekt. "Wer sich für einen Beruf in der Gastronomie entscheidet,</font> <font size="2">sollte wissen worauf er sich einlässt", erklären die Unternehmer das Ziel der</font> <font size="2">Schnupperstunden in ihrem Restaurant. Beate Lippmann unterrichtet das Serviceteam in</font> <font size="2">den Feinheiten des Eindeckens und Servierens. Tischdecken werden ausgemessen, Gläser</font> <font size="2">poliert, während Bernd Lippmann mit seiner Gruppe in der Küche am Herd steht.</font> <font size="2">Schließlich soll am 8. Februar alles perfekt sein, wenn Eltern und Freunde der Schüler zum</font> <font size="2">Drei-Gänge-Menü eingeladen sind. "Wir kochen und bedienen unsere Gäste selbst.</font> <font size="2">Serviert wird natürlich von rechts", lacht Alexander Raschka.</font>
<font size="2"><br> Neben Karottensüppchen mit Ingwer und Hähnchenbrust-Involtinis hat die Schüler-GmbH</font> <font size="2">auch neue Rezepte an die Hand bekommen. "Herr Lippmann hat uns gezeigt, wie man</font> <font size="2">Quarkspeisen macht", berichtet Jane. Sie wird nach dem Abschluss eine Ausbildung zur</font> <font size="2">Kauffrau für Bürokommunikation machen. "Dass ich Geschäftsführerin bei Break Area bin,</font> <font size="2">kam bei meinem neuen Arbeitgeber sehr gut an. Es ist eine gute Vorbereitung auf das</font> <font size="2">Berufsleben und macht auch richtig viel Spaß."</font>
 
 
<font size="2">Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 03.02.2011</font>