Olympia-Bilanz: So stark war das Erzgebirge

Rodel-Silber hinter Julia Taubitz (Mitte) ging an Elina Bota aus Lettland (l), Bronze an Ashley Farquharson aus den USA.
Rodel-Silber hinter Julia Taubitz (Mitte) ging an Elina Bota aus Lettland (l), Bronze an Ashley Farquharson aus den USA. / © Torsten Görlitzer

26 Medaillen für Deutschland, ein Drittel davon hat ihren Ursprung im Erzgebirge – bei Sportlern aus der Region, Athleten mit Training im Erzgebirge sowie Startern mit Vereinen aus dem Erzgebirge. Bei den Winterspielen zeigte die Region einmal mehr, warum es zu den Wintersport-Hochburgen Deutschlands zählt.

Die olympische Flamme ist erloschen, die Fahnen sind eingeholt, der Alltag kehrt langsam zurück. Doch im Erzgebirge wirkt dieses Olympia noch nach. Wieder einmal haben Athletinnen und Athleten aus der Region auf der größten Bühne des Wintersports mit Medaillen, Finalteilnahmen und Leistungen beeindruckt, die weit über das Ergebnisprotokoll hinausstrahlen. Was in den vergangenen Wochen zu sehen war, ist kein Zufall. Es ist das Resultat jahrelanger Arbeit und Ausdruck einer Region, in der Wintersport mehr ist als ein Hobby.

Edelmetall und starke Platzierungen – ein kleiner Rückblick

Im Eiskanal schrieb die gebürtige Annaberg-Buchholzerin Julia Taubitz ein Stück olympische Geschichte. Mit zwei Goldfahrten im Einsitzer sowie in der Mixed-Team-Staffel setzte sie die emotionalen Glanzpunkte aus erzgebirgischer Sicht. In beiden Wettbewerben unterstrich die offizielle Botschafterin des Erzgebirges eindrucksvoll ihre Rolle als feste Größe im internationalen Rennrodelzirkus.

Auch im Skeleton zeigten der Zschopauer Axel Jungk und die Bärensteinerin Susanne Kreher ihre Klasse. Beide krönten ihre Leistungen mit jeweils einer Silbermedaille im Einzel. Zusätzlich überzeugten sie als top erzgebirgisches Mixed-Team mit einer weiteren starken Vorstellung zu Silber. Bronze gab es im Biathlon für Justus Strelow aus Dippoldiswalde in der Mixed-Team-Staffel – ein Beleg für Nervenstärke am Schießstand.

Im Bob feierte das Team um Piloten Francesco Friedrich zweimal Silber im Zweier- und Viererbob. Gold im Vierer ging zudem an Jörn Wenzel vom BSC Sachsen Oberbärenburg e.V., der damit einen weiteren olympischen Erfolg aus erzgebirgischer Perspektive beisteuerte. Im Langlauf bewies Katharina Hennig-Dotzler aus Königswalde erneut ihre internationale Klasse und zeigte am letzten Wettkampftag als beste Deutsche über die anspruchsvollen 50 Kilometer ihre Ausdauer und mentale Stärke.

Knapp am Podium vorbei, aber nicht weniger beeindruckend, präsentierten sich Florian Müller (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal e.V.) im Rennrodeln sowie Selina Freitag (SG Nickelhütte Aue e.V.) im Skispringen mit starken vierten Plätzen. Ein Top Ergebnis erzielte auch Timon Grancagnolo mit dem Einsitzer Rennrodeln. Resultate, die die enorme Leistungsdichte auf olympischem Niveau unterstreichen und das insgesamt herausragende Abschneiden der Erzgebirgs-Athletinnen und -Athleten abrunden.

Wintersport als Teil der Identität

Dass ausgerechnet das Erzgebirge immer wieder erfolgreiche Wintersportlerinnen und Wintersportler hervorbringt, ist kein Zufall. Die Region gilt seit Jahrzehnten als Talentschmiede. Sowohl in Oberwiesenthal als auch Altenberg finden Nachwuchsathleten professionelle Trainingsbedingungen vor – kurze Wege zwischen Schule, Sport, Olympiastützpunkt und Wettkampf inklusive. Doch Infrastruktur allein erklärt den Erfolg nicht. Wintersport gehört hier zur kulturellen DNA: Zahlreiche Vereine leisten kontinuierliche Nachwuchsarbeit, Trainer investieren Zeit und Know-how, Familien tragen die oft jahrelange Entwicklung mit.

Für das Erzgebirge bedeuten solche Erfolge mehr als nur Medaillen im Medaillenspiegel – bei dem die Region auf Platz 13 von 30 gelandet wäre, wäre sie eine Nation. Sie sind ein Schaufenster. Wenn Athletinnen und Athleten mit erzgebirgischem Hintergrund auf dem Podest stehen oder um Hundertstel kämpfen, rückt automatisch auch ihre sportliche Heimat in den Fokus.

Das stärkt nicht nur das sportliche Selbstverständnis, sondern auch das Image der Region. Wintersport wird sichtbar als das, was er hier ist: gelebte Tradition und Zukunftsperspektive zugleich. Für das Erzgebirge bleibt die Erkenntnis: Die Region ist und bleibt ein verlässlicher Bestandteil des deutschen Wintersports. Die jüngsten Spiele haben das eindrucksvoll bestätigt. Wenn irgendwo in Deutschland Wintersport zu Hause ist, dann hier – zwischen Fichtelberg, Loipe und Eiskanal. Olympia ist vorbei. Der Goldkurs des Erzgebirges aber setzt sich fort.