Rolls-Royce setzt auf Zuger Leder

Wert-Leder GmbH führt Tradition in Freiberger Stadtteil fort - Geschäftsführer aus Franken fühlt sich in zweiter Heimat wohl
Von Rolf Rudolph
Zug. Seit mehr als 100 Jahren wird im kleinen Freiberger Stadtteil Zug Leder hergestellt. Die Wert-Leder GmbH, die zur Hewa-Gruppe aus Rehau gehört, produziert heute beispielsweise für die Auto-Nobelmarke Rolls-Royce, andere Autohersteller sowie für den Schiffsbau und für die Polstermöbelindustrie.
"Mein Vater wollte Anfang der 1990er-Jahre eine Lederfabrik bauen. Da es in der Bundesrepublik fast unmöglich erscheint, dafür alle Genehmigungen zu bekommen, hatte er sich zur Verwirklichung seiner Pläne schon in Tschechien ein Grundstück gekauft", erzählt Marcus Adelmann, Geschäftsführer der Betriebe in Rehau und Zug. Vater Helmut, der heute 71 Jahre alt ist, habe sich dann den Betrieb in Zug angesehen und sofort sein Herz an den Standort verloren. Die Vorteile lagen laut Marcus Adelmann auf der Hand: ein großes, abgelegenes Grundstück mit den erforderlichen Genehmigungen für die Lederproduktion, dazu viele ausgebildete Lederfachleute in der Region.
Auch die Nähe zum Freiberger Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen (Filk), das heute wieder Weltruf genießt, war ein großes Plus. "Zudem ist das weiche Wasser aus dem Kunstgrabensystem ideal für die Lederproduktion geeignet", sagt Adelmann. Den Zuger Betrieb 1994 übernommen zu haben, sei "eine richtige Entscheidung gewesen", betont der Geschäftsmann. Denn: "Im Ausland bleibt ein deutscher Mittelständler immer ein Fremder." Zudem seien die Förderbedingungen seinerzeit günstig gewesen.
In den vergangenen sechs Jahren hat das Unternehmen rund vier Millionen Euro in den Zuger Betrieb investiert. Es wurden moderne Maschinen angeschafft und eine Kläranlage gebaut, die täglich bis zu 100Kubikmeter Wasser aufbereiten kann. 2011 sollen 250.000 Euro in eine moderne Trocknung für die Lederhäute investiert werden, mit dem Ziel, 50Prozent Energie einzusparen. Gegenwärtig werden in dem Zuger Zweischichtbetrieb täglich zwischen 500 und 600 Häute verarbeitet, wobei die Rohware von Rindern aus dem süddeutschen Raum stammt. "Während der Wirtschaftskrise waren uns 70 Prozent der Aufträge weggebrochen", erinnert Adelmann an eine schwere Zeit. Im Oktober 2009 konnte die Kurzarbeit im Unternehmen eingestellt werden, das Auftragsvolumen sei wieder gestiegen, sagt der 41-Jährige, der vor ein paar Jahren in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist. Sein Ziel ist es, in Zug täglich bis zu 1000 Häute zu feinem Leder zu verarbeiten.
Derzeit sind in der Firma rund 100 Leute beschäftigt. Werden die 1000 Häute erreicht, könnte die Mitarbeiterzahl laut Adelmann auf 180 steigen. Zudem profitieren kleine Firmen im Umfeld als Zulieferer oder Dienstleister von Wert-Leder. "Ich bin als Franke in Zug gut aufgenommen worden. Die Zukunft der Hewa-Gruppe liegt in Sachsen", sagt Marcus Adelmann, der sich sogar vorstellen kann, einmal von Nürnberg nach Sachsen umzuziehen.
 
 
Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 14.09.2010