Sachsen will Welterbetitel bei der Unesco erst 2014 beantragen

Die CDU/FDP-Landesregierung respektiert die Begeisterung in der Region. Die Bewerbung verschiebt sich allerdings um ein Jahr.
<font size="2">VON GABI THIEME UND UWE KUHR</font>
<font size="2">DRESDEN </font><font size="2">- Die sächsische Landesregierung hat sich gestern erstmals verbindlich für einen gemeinsamen</font> <font size="2">Antrag des Freistaats mit Tschechien ausgesprochen, mit dem sich die Montanregion Erzgebirge dies- und</font> <font size="2">jenseits der Grenze um den Welterbetitel der Unesco bewirbt. Mit der Einladung an das Nachbarland hat das</font> <font size="2">Kabinett in Dresden jedoch auch eine Verschiebung der Bewerbung um ein Jahr "für frühestens 2014"</font> <font size="2">beschlossen. Innenminister Markus Ulbig (CDU) wertete die Entscheidung dennoch als Durchbruch, die der</font> <font size="2">Begeisterung der Erzgebirger für ihre Region und dem Engagement in Tschechien gerecht werde.</font>
<font size="2"><br> Die Montanregion Erzgebirge steht bereits seit 1998 auf der Welterbe-Warteliste. Die Vielzahl der</font> <font size="2">Zeitzeugen für die jahrhundertelange Bergbautradition sowie der Abgleich des Vorhabens mit den</font> <font size="2">Kommunen haben den Aufwand in die Höhe getrieben. Hinter dem Projekt stehen in Sachsen alle drei</font> <font size="2">Erzgebirgskreise und bislang 34 Kommunen, die sich vor allem eine Belebung des Tourismus erhoffen. Über</font> <font size="2">40 Einzelobjekte und historische Ensembles sollen die Einzigartigkeit des Erzgebirges repräsentieren. "Dabei</font> <font size="2">wird keineswegs eine Käseglocke über die Region gestülpt", erklärte Ulbig. Es entstehe vielmehr ein</font> <font size="2">intelligentes Netzwerk einzelner Erbe-Stätten, das Raum zu wirtschaftlicher Entwicklung gebe.<br> </font><font size="2"><br> Auslöser für die Terminverschiebung war das Prager Kulturministerium. Die Fertigstellung der eigenen</font> <font size="2">Bewerbungsunterlagen bis Frühjahr 2012 gilt dort als "nicht realistisch", war zu erfahren. Dem hat Sachsen</font> <font size="2">nachgegeben und die Bewerbung um ein Jahr geschoben. Volker Uhlig, Landrat von Mittelsachsen und</font> <font size="2">Sprecher des Welterbe-Konvents für die Montanregion, zeigte sich erleichtert. "Ich bin froh, dass sich die</font> <font size="2">Argumente des Erzgebirges durchgesetzt haben", sagte er. Er zeigte Verständnis für die "lange</font> <font size="2">Entscheidungsphase" der Regierung, die er mit den Nachwehen der Aberkennung des Welterbetitels für das</font> <font size="2">Dresdner Elbtal von 2009 erklärte.</font>
<font size="2"><br> Projektkoordinator Helmuth Albrecht von der TU Bergakademie Freiberg hätte lieber 2013 den Titel</font> <font size="2">beantragt. "Unsere tschechischen Partner haben ihr Vorhaben fristgerecht der Unesco in Paris gemeldet",</font> <font size="2">argumentiert er. Ähnlich reagierte Frieder Stimpel (CDU), Bürgermeister von Schneeberg. Wenn es sich</font> <font size="2">wirklich nur um ein Jahr handelt, "könnte man damit leben." Allerdings mache ihn argwöhnisch, dass von</font> <font size="2">"frühestens 2014" die Rede ist.<div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Welterbe - was ist das?&lt;/font&gt;</strong></div><div><em><strong>&lt;font size="2"&gt;Ursprung: &lt;/font&gt;</strong></em>&lt;font size="2"&gt;Den Anstoß zur Schaffung der Welterbekonvention gab der Aufruf der Unesco &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;vom 8. März 1960, die durch den Bau des Assuan-Staudammes vom Nil bedrohten &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Denkmale zu retten. Die Tempel von Abu Simbel und Philae wurden abgetragen und an &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;höherer Stelle wieder aufgebaut.&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;em&gt;&lt;strong&gt;Verleihung:&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt; Die Unesco verleiht den Titel Welterbe (früher Weltkulturerbe und &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Weltnaturerbe) an Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit und ihrer Authentizität für die &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Menschheit erhaltenswert sind und vor kriegerischer und politischer Auseinandersetzung &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;geschützt werden sollen. (hüb)&lt;/font&gt;</div><br> <br> </font><font size="2">Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 25.01.2012</font>