Schichtwechsel Erzgebirge: Unternehmen können sich jetzt für den Perspektivwechsel anmelden

Am 24. September 2026 tauschen Menschen mit und ohne Behinderung im Erzgebirge für einen Tag ihre Arbeitsplätze. Unternehmen, die sich am Aktionstag beteiligen möchten, können sich ab sofort über ein Formular auf der Website der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH anmelden.

Wie viel aus einem einzigen Arbeitstag entstehen kann, zeigt das Beispiel von Kai Koehler. Immer wenn er am Getränkemarkt in Lößnitz vorbeiging, dachte er: „Das hier, das wäre es. Hier möchte ich arbeiten.“ Kai Koehler nahm seinen Mut zusammen, ging in den Markt und fragte nach einer beruflichen Möglichkeit. Beim Schichtwechsel 2023 konnte er seine Fähigkeiten zunächst für einen Tag in der Getränkeabteilung eines Supermarktes zeigen. Es folgten ein Praktikum und schließlich ein fester Außenarbeitsplatz bei der Markgrafen Vertriebs GmbH in Lößnitz. Heute nimmt er Warenlieferungen an, stapelt Getränkekisten, kontrolliert Mindesthaltbarkeitsdaten, zeichnet Preise aus und arbeitet an der Kasse. „Ich bin sehr stolz, dass ich das machen kann“, sagt Kai Koehler.

Seine Geschichte ist eine von mehreren im Erzgebirge. Auch bei der Beauty Spa Servicegesellschaft mbH in Bad Schlema führte der Schichtwechsel zu einem festen Außenarbeitsplatz. Bei der UNGER Kabelkonfektions GmbH im Sehmatal ist Marcel Herrmann inzwischen ein festes Mitglied des Teams. Acht Beschäftigte der Lebenshilfe Stollberg arbeiten zudem als Gruppe bei der Osteks GmbH in Elterlein.

Die Beispiele zeigen: Der Schichtwechsel kann der Beginn einer längerfristigen Zusammenarbeit sein. Unternehmen lernen Menschen mit ihren Fähigkeiten direkt im Arbeitsalltag kennen. Beschäftigte aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung erhalten Einblicke in Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarktes und können neue Tätigkeiten ausprobieren. Auch die Unternehmen profitieren. Georg Scholz, Betriebsleiter und Prokurist bei Osteks, berichtet, dass die Beschäftigten aus der Werkstatt das Arbeitsklima bereichern. Inzwischen fragten Mitarbeitende selbst nach, wann wieder jemand aus der Werkstatt in ihrem Team mitarbeiten werde.

Der Schichtwechsel fördert Begegnungen, baut Barrieren ab und macht die Fähigkeiten und Potenziale von Menschen mit Behinderung sichtbar. Er stärkt die berufliche Teilhabe und Inklusion und eröffnet - wo dies den Wünschen und Möglichkeiten der Beteiligten entspricht - Wege in eine reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Der Schichtwechsel im Erzgebirge ist aus einer Kooperation zwischen der Lebenshilfe Annaberg e.V. und der Agentur für Arbeit Annaberg-Buchholz entstanden und bildet die Grundlage für den Austausch zwischen Werkstatt und Unternehmen.

„„Inklusion wird oft als großes, theoretisches Wort genutzt. Dahinter verbergen sich aber ganz reale Erfolgsgeschichten. In den letzten Jahren habe ich hautnah miterlebt, wie Inklusion in Unternehmen nicht nur besprochen, sondern ganz natürlich gelebt wird.““, sagt Heiko Weidlich, Jobcoach bei der INVITAS Lebenshilfewerk Schneeberg gGmbH.

So können Unternehmen teilnehmen

Der Schichtwechsel findet am 24. September 2026 erstmals als gemeinsame Aktion im gesamten Erzgebirge statt. Beteiligt sind die Lebenshilfe Annaberg, die Lebenshilfe Stollberg, die Lebenshilfe Schwarzenberg, das Lebenshilfewerk Mittleres Erzgebirge und die INVITAS Lebenshilfewerk Schneeberg gGmbH. Die Schirmherrschaft hat die Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH.

Die Unternehmen können Beschäftigte aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung für einen Tag in ihrem Betrieb aufnehmen. Gleichzeitig erhalten eigene Mitarbeitende die Möglichkeit, einen Arbeitsplatz in einer Werkstatt kennenzulernen.