SERIE: MADE IN ERZ - Stollberger "rahmen" Udo Lindenberg ein

Das Familienunternehmen Bilder-Knauf rahmt alles, was zu rahmen geht. Zu den Auftraggebern
VON FRANZISKA MUTH
STOLLBERG - Ist ein Goldrahmen nicht zu protzig für dieses Bild? Kerstin Knauf verneint.
Das könne Licht in das dunkle Ölgemälde bringen, meint sie. Als Assistentin der
Geschäftsführung im Familienunternehmen Bilder-Knauf in Stollberg hat die 40-Jährige
einen Blick für den passenden Rahmen. Die Firma rahmt alles, was zu rahmen geht - von
der Grafik über das Fußballtrikot bis hin zur Medaillensammlung. Kerstin Knaufs Mann
Sven und dessen Schwester Cornelia leiten die Geschäfte. Gegründet wurde das
Unternehmen 1980 von den Eltern der Geschäftsführer, Fritz und Sabine Knauf.

"Wir müssen auch wissen, wo das Bild hängen wird, damit alles eine Harmonie
ergibt."

Cornelia Knauf Geschäftsführerin

"Mein Vater machte sich als gelernter Tischler selbstständig", berichtet Cornelia Knauf
(35). Die ersten Aufträge erfüllten die Knaufs für Privatkunden, die etwa Kalenderblätter
oder Fotos gerahmt haben wollten. Auch fertigte Fritz Knauf schlichte Rahmenleisten an:
Er fräste das Profil in die Leisten, schliff und beizte sie. Zudem verkaufte die Firma
Kunstdrucke mit Rahmen. "Viele Kunden haben einen unserer Rahmen noch heute
hängen. Sie kommen dann vorbei und wollen einen neuen Kunstdruck, weil der alte
ausgeblichen ist", sagt Cornelia Knauf.
 
Ab 1991 setzte das Unternehmen für einige Jahre auf ein zweites Standbein: Es belieferte
mit dem Lkw Einrahmungsbetriebe in ganz Ostdeutschland mit Bilderglas, Pappen,
Passepartouts, Leisten und fertigen Bildern. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre nahm
Bilder-Knauf Ölgemälde deutscher Künstler ins Sortiment auf. Noch heute verkauft die
Firma Bilder von Künstlern und rahmt ihre Werke. Zwischenzeitlich gab es auch Filialen in
Aue, Plauen, Chemnitz und Jena. Im Jahr 2000 übernahmen die Geschwister Knauf die
Geschäftsführung und seitdem hat das Unternehmen mit heute fünf Mitarbeitern seinen
Sitz an der Bahnhofstraße, mit Laden, Produktionsstätte, Galerie und einem Café.

Als Auftraggeber kann Bilder-Knauf unter anderem die Kunstsammlung Chemnitz, das
Kreiskrankenhaus Stollberg, das Hotel "Blauer Engel" Aue und das Fichtelberghaus
Oberwiesenthal anführen. Gefragt sei UV-Schutz-Glas, das ein Ausbleichen der Bilder
verhindert und nicht das Licht widerspiegelt. Auch Sänger und Maler Udo Lindenberg hat
einmal für eine Vernissage in einem Berliner Hotel eines seiner Bilder - 4,50 Meter lang
und 2 Meter hoch - mit einem schwarzen Rahmen einfassen lassen. Wegen der Größe
musste der Rahmen auseinandernehmbar sein, um durch das Hoteltreppenhaus zu
passen.
 
Auch 1000 Privatkunden aus ganz Deutschland kommen im Jahr zu Bilder-Knauf, um
Grafiken, Hochzeitsfotos, Kinderzeichnungen oder eine Seidenmalerei als Urlaubssouvenir rahmen zu lassen. Bilder-Knauf stellt heute keine Leisten mehr her, sondern bezieht diese von deutschen Firmen. Kunden können aus fast 2000 Musterwinkeln wählen, ob geschnitzt, mit Echtholzfurnier, Blattgold, Schellack, Folienüberzug oder als schmaler Alu-Rahmen. "Eine Beratung kann zwei Stunden dauern. Wir müssen auch wissen, wo das Bild hängen wird, damit alles eine Harmonie ergibt", so Cornelia Knauf.

Die Firma kann auch Ölgemälde reinigen und mit einer Schlussfirnis versehen. Zudem
arbeitet sie in der konservierenden Einrahmung: Für Originale, die nicht mit
herkömmlicher Pappe und Klebstoff in Berührung kommen dürfen, wird säurefreies
Material verwendet. "Wir hatten auch schon Werke, die wir wirklich mit allergrößter
Sorgfalt behandeln mussten", sagt Kerstin Knauf - darunter Porträts wohlhabender
Familien, hochwertige Grafiken und sogar ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert.
 
 
Quelle: Freie Presse, Ausgabe Stollberger Zeitung, 12.01.2011