Thüringer schätzt die Heimat kluger Köpfe

Aktuell rühren rund 60 "Botschafter des Erzgebirges" die Werbetrommel für die Region. Zu ihnen gehört auch der Brand-Erbisdorfer Oberbürgermeister Martin Antonow.
<font size="2">VON KERSTIN BLOSSEY</font>
<font size="2">BRAND-ERBISDORF</font><font size="2"> - Getzen, Hader, Mulbrich, Flugwappich - das Erzgebirgische hat den Wortschatz von Martin Antonow um einiges</font> <font size="2">erweitert. "Ich habe einmal nachgeschlagen, was eine Ortlilie ist. Dabei wollte mir meine Schwiegermutter im Garten eine Art Lilie</font> <font size="2">zeigen", plaudert der 47-Jährige aus dem Nähkästchen und muss noch heute darüber schmunzeln. Das Erzgebirge ist dem Thüringer</font> <font size="2">eine neue Heimat geworden. Geboren ist er in Jena, aufgewachsen in Greiz und Zeulenroda. Der Liebe wegen blieb er in Langenau. Seit</font> <font size="2">2007 ist er Oberbürgermeister von Brand-Erbisdorf, seit einem Jahr Botschafter des Erzgebirges.</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">"Der Erzgebirger ist direkt, humorvoll und ehrlich."</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">Martin Antonow Oberbürgermeister und Botschafter des Erzgebirges</font>
<font size="2"><br> Dass er einmal auf einem Bürgermeisterstuhl sitzen und Politik machen wird, daran hat er als junger Mensch keinen Gedanken</font> <font size="2">verwendet. "In mir steckte der Forscherdrang. Das, was gewesen ist, faszinierte mich." Vor allem Steine hatten es dem Thüringer</font> <font size="2">angetan. Als Kind hat er sie beim Kulturbund gesammelt und geklopft. Doch der junge Martin war sich unschlüssig, was aus ihm</font> <font size="2">werden sollte: Mediziner, weil der Vater Chirurg und die Mutter im Labor tätig war oder doch lieber Kriminalist, weil ihn die forensische</font> <font size="2">Wissenschaft faszinierte. Auch Astronomie stand zur Debatte. Schließlich siegten die Steine.</font>
<font size="2"><br> Das Geologiestudium brachte ihn 1985 ins Erzgebirge - die Heimat kluger Köpfe, wie er sagt. An der TU Bergakademie lernte er seine</font> <font size="2">spätere Frau kennen, ebenfalls eine Geologin. Nach der Wende fand Martin Antonow eine Anstellung als wissenschaftlicher Assistent an</font> <font size="2">der Freiberger Uni. "Damals ein großes Glück, denn viele junge Wissenschaftler wurden arbeitslos." Und es zog ihn in die Ferne.</font> <font size="2">Zwischen 1992 und 2000 nahm er an zwölf Expeditionen teil, unter anderem in den Nordatlantik und in die russische Arktis. Seine</font> <font size="2">Doktorarbeit schrieb der Geologe über das Ablagerungsgeschehen in der Grönlandsee in den vergangenen 250.000 Jahren.</font>
<font size="2"><br> "Ich war damals oft und lange weg. Umso mehr habe ich die Heimat schätzen gelernt und bin gern wieder nach Hause gekommen",</font> <font size="2">erzählt Martin Antonow. Das neue Heimatgefühl war es auch, dass ihn 1999 veranlasste, als Zugezogener den Heimatverein 1185</font> <font size="2">Langenau/Erzgebirge mit zu gründen. Bis heute ist er dessen Vorstandsvorsitzender.</font>
<font size="2"><br> Das "Graben in der Geschichte" fasziniert ihn. Die blauen Augen leuchten, als er an einer Ortsansicht im Bürgermeisterzimmer die</font> <font size="2">fantastische Haldenlandschaft nachzeichnet, die der Erzgebirger mit seiner Hand geschaffen hat. Und wenn er im nächsten Moment von</font> <font size="2">Basaltbergen wie Pöhlberg, Bärenstein und Scheibenberg spricht, die früher einmal Täler waren, kommt der Geologe wieder durch. Für</font> <font size="2">den ist das Erzgebirge eine "reizvolle Landschaft auf den zweiten Blick". Und doch hat er das unspektakuläre Stück Land ins Herz</font> <font size="2">geschlossen. Das spürten auch die vielen Besucher aus dem In- und Ausland, die der "Stadtführer" Martin Antonow durch Tagebaue,</font> <font size="2">Steinbrüche und Grubenanlagen führte.</font>
<font size="2"><br> 2000 trat er nach Jahren im Dienste der Wissenschaft seinen ersten festen Job an: als Vizedirektor des Museums für Naturkunde in</font> <font size="2">Chemnitz. Auch dort konnte er seinem Drang, etwas zu erforschen, zu bewahren und zu vermitteln, erfüllen. Er gestaltete das Haus</font> <font size="2">"Tietz" mit, in dem das Museum seit 2004 sein Domizil hat. "Es war eine spannende Aufgabe, und die sollte es eigentlich bleiben. Doch</font> <font size="2">irgendwann wurde mir bewusst, dass ich Tag für Tag kostbare Lebenszeit im Auto verbringe. Die wollte ich lieber vor Ort, in meiner</font> <font size="2">Heimat einbringen", schildert er, was ihn animierte, 2007 in eine völlig neue Materie einzutauchen. Er kandidierte für den Posten des</font> <font size="2">Brand-Erbisdorfer Oberbürgermeisters. "Ganz unbefleckt war ich nicht in der Politik, immerhin saß ich von 1994 bis 2001 im</font> <font size="2">Langenauer Gemeinderat", sagt Antonow. Mit Menschen kommunizieren, mit anderen um Lösungen ringen, Kompromisse eingehen -</font> <font size="2">das habe seine Arbeit als Wissenschaftler ausgemacht und das mache sie heute als Kommunalpolitiker aus. Deshalb seien die "zwei</font> <font size="2">Welten" gar nicht so weit voneinander entfernt.</font>
<font size="2"><br> Als Botschafter des Erzgebirges schwört er vor allem auf den Slogan "Gedacht. Gemacht." "Anpacken statt reden, das hat den</font> <font size="2">wirtschaftlichen Erfolg im Erzgebirge über die Jahre ausgemacht", ist Antonow überzeugt und lobt im selben Atemzug den besonderen</font> <font size="2">Schlag Menschen, der hier lebt: "Der Erzgebirger ist kommunikativ, direkt, durchaus feinsinnig, humorvoll, schlicht, ehrlich, herzlich</font> <font size="2">und verbindlich ..."<br> <br> <br> </font><font size="2">Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 03.09.2011</font>