Verband will mit mehr Qualität punkten

Der Freistaat hat seine Tourismusförderung neu ausgerichtet. Danach darf das Erzgebirge vorerst mit maximalen Zuschüssen rechnen. Das ist dennoch kein Ruhekissen für ewig.
<font size="2">VON ANDREAS LUKSCH</font>
<font size="2">ANNABERG-BUCHHOLZ</font><font size="2"> - Noch bis zum Jahr 2018 könnten sich die Erzgebirger zurücklehnen. Erst danach würden die auf der Basis</font> <font size="2">von 2010 erreichten zehn Punkte nicht mehr für die Höchstförderung durch den Freistaat reichen. 2013 mit acht Zählern beginnend,</font> <font size="2">wird die Messlatte alle zwei Jahre um einen Punkt höher gelegt. Maximal können die Tourismusverbände 16 Punkte erreichen. Das</font> <font size="2">hatte jüngst das Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr beschlossen.</font>
<font size="2"><br> Je zwei Zähler , das Maximum, heimste das Erzgebirge bereits bei vier der acht Kriterien ein. So übertrifft das Gebiet des</font> <font size="2">Tourismusverbandes Erzgebirge die geforderten 1,5 Millionen Übernachtungen pro Jahr schon 2010 um fast das Doppelte. "In diesem</font> <font size="2">Jahr wollen wir endlich die Drei-Millionen-Marke knacken", sagt Veronika Hiebl, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge.</font> <font size="2">Die Hochrechnung der ersten acht Monate dieses Jahres stimme sie optimistisch. Auch die 15.000 vom Freistaat geforderten Betten</font> <font size="2">schafft das Erzgebirge mit 24.000 fast im Schlaf. Und selbst beim Geld kann das Erzgebirge mithalten: Das Gesamtbudget des</font> <font size="2">Tourismusverbandes übertrifft laut Veronika Hiebl die Vorgabe von 1,5 Millionen um zirka 100.000 Euro. Und der Anteil des</font> <font size="2">Marketingetats am Gesamtbudget des Tourismusverbandes beträgt 60 Prozent, gefordert werden nur 40 Prozent.</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">Schwächen sind bekannt</font>
<font size="2"><br> Doch so gut es auch tut, rein punktemäßig bereits in einer Liga mit dem Touristenmagneten Dresden zu spielen, weiß Veronika Hiebl</font> <font size="2">um die Schwachstellen im Erzgebirge. Bei zwei Kriterien wurde nur je ein Punkt zuerkannt. So waren 2010 noch zu wenig Mitarbeiter</font> <font size="2">mit Studienabschluss beziehungsweise langjähriger Berufserfahrung beim Tourismusverband Erzgebirge angestellt. Fünf sogenannte</font> <font size="2">Vollzeit-Äquivalente sind gefordert, nur vier waren 2010 nachweisbar. "Mittlerweile haben wir jedoch fünf erreicht", freut sich Veronika</font> <font size="2">Hiebl.</font>
<font size="2"><br> Ebenfalls nur einen Zähler bekam der Verband, weil der geforderte 15-prozentige Anteil Qualitätsbetriebe mit Dehoga-Zertifikat, jenes</font> <font size="2">mit den Sternen, um 1,1 Prozentpunkte verpasst wird. Laut Veronika Hiebl sind lediglich 61 der mehr als 434 Beherbergungsbetriebe</font> <font size="2">klassifiziert, 19 davon mit vier Sternen. Auch die Anzahl der Qualitätsbetriebe mit Service-Q-Zertifikat des Landestourismusverbandes</font> <font size="2">ist problematisch. Da dieses nur 1,3 Prozent der Beherbergungsbetriebe im Erzgebirge aufweisen, kommt gar kein Punkt aufs Konto.</font> <font size="2">Mindestens zwei Prozent Anteil wären für einen , drei Prozent für zwei erforderlich.</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">Vorteile für Leistungsträger</font>
<font size="2"><br> Veronika Hiebl wurmt das auch aus einem anderen Grund. "Der Verband kann keinen Betrieb zwingen, nach den Sternen zu greifen",</font> <font size="2">benennt sie ein Manko der Kriterienauswahl, auch wenn sie ansonsten die neue Tourismusstrategie des Freistaates befürwortet. "Sie</font> <font size="2">geht in die richtige Richtung. Denn wir können nur mit Qualität punkten", weiß sie und hofft, das auch den Beherbergungsbetrieben</font> <font size="2">klar machen zu können. So werde der Tourismusverband bei der Vermarktung aller Produktlinien vorrangig jene Unternehmen</font> <font size="2">voranstellen, die die hohen Qualitätsstandards erfüllen. Dennoch geht die Verbandschefin nicht davon aus, dass sich das</font> <font size="2">Qualitätsniveau schlagartig verbessern wird.</font>
<font size="2"><br> Schneller glaubt sie bei einem Kriterium voranzukommen, bei dem der Verband ebenfalls noch leer ausgeht: dem Anteil</font> <font size="2">eigenerwirtschafteter Mittel am Gesamtbudget. Dieser liegt derzeit bei etwa einem Drittel, soll aber laut Vorgabe des Freistaates für</font> <font size="2">zwei Zähler bei mindestens 50 Prozent liegen. Ziel ist es, dass sich Kommunen und Tourismuswirtschaft im Erzgebirge verstärkt an den</font> <font size="2">Ausgaben beteiligen.</font>
<font size="2"><br> In den nächsten Monaten sollen deshalb Vorschläge für eine neue Beitragsordnung erarbeitet, mit den Kommunen diskutiert und</font> <font size="2">beschlossen werden. Ziel ist, sie 2013 in Kraft zu setzen. Kommunen sollen dann nicht mehr wie bisher nach einem Schlüssel pro</font> <font size="2">Einwohner und pro Bett, sondern pro Einwohner und pro Übernachtung beteiligt werden. "Weil das viel gerechter ist. Diejenigen, die</font> <font size="2">viele Übernachtungen haben, profitieren ja auch mehr vom Tourismus und sollten sich auch entsprechend stärker engagieren", so</font> <font size="2">Veronika Hiebl. Zudem werden die Kommunen stärker an den Tourismusverband gebunden. Sie erhalten laut sächsischer</font> <font size="2">Tourismusstrategie künftig nur noch dann vom Freistaat den Höchstfördersatz bei eigenen touristischen Projekten, wenn sie den</font> <font size="2">Verband mitfinanzieren. Veronika Hiebl hält dies für unabdinglich: "Nur gemeinsam können wir mehr bewegen."</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">Veronika Hiebl</font>
<font size="2">Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge</font><font size="2"><br> <br> <br> </font><font size="2">Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 15.11.2011</font>