Welterbe-Projekt ernsthaft in Gefahr

Naumburger Dom wird Zünglein an der Waage - Welterbe-Antrag fürs Erzgebirge zugesagt - Aber Verschiebung bringt neue Probleme
<font size="2"><div><strong>&lt;font size="2"&gt;CHEMNITZ &lt;/font&gt;</strong>&lt;font size="2"&gt;- Der von Sachsens Regierung beschlossene, aber um ein Jahr verschobene &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Antrag für den Unesco-Welterbetitel für die Montanregion Erzgebirge ist gefährdet. Nach &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Recherchen der "Freien Presse" ist der geplante Termintausch mit Sachsen-Anhalt nicht &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;realisierbar. Die Regierung in Magdeburg will sich 2014 mit dem Naumburger Dom &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;bewerben. Prinzipiell gebe es gegen den Tausch nichts einzuwenden. Weil die &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Antragsvorbereitung ein zeitaufwändiges Verfahren sei, werde aber der Antrag ein Jahr &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;früher, also 2013, nicht zu schaffen sein, sagte ein Sprecher. Sachsens Innenministerium &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;zeigte sich davon überrascht. Es will nun einen Ringtausch.&lt;/font&gt;</div><div>&nbsp;</div><div><strong>&lt;font size="2"&gt;Sachsen hat die gemeinsame Bewerbung mit Tschechien um den Unesco-&lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;Welterbetitel für die Montanregion Erzgebirge beschlossen, aber um ein Jahr verschoben. Der &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;Antrag soll frühestens 2014 eingereicht werden. Gestern hat sich ein dritter Landkreis in &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;Sachsen per Vertrag hinter die Bewerbung gestellt. Was zunächst einfach klingt, wirft viele &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;Fragen auf. Auf die wichtigsten gibt "Freie Presse" Antworten.&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Bis 2015 gibt es auf der offiziellen deutschen Warteliste jedes Jahr bereits &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Anwärter für den Titel "Welterbe der Unesco". Kann das Erzgebirge problemlos &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;mit einem Anwärter der Folgejahre tauschen?&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; Tauschen ist möglich und schon einmal erfolgt. Aber die jetzige Verschiebung ist &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;problematisch. Denn es kommt nur der Tausch mit einem für 2014 auf der Warteliste &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;vorgesehenen Projekt infrage.&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Was sagen die neuen Richtlinien der Unesco dazu?&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; Sie wurden im November 2011 beschlossen. Demnach ist nur der Tausch mit einem &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Projekt möglich, das, so wie die Montanregion Erzgebirge, ebenfalls ein &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Kulturlandschaftsprojekt ist. Hintergrund ist, dass jedes Land pro Jahr nur noch zwei &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Vorschläge einreichen darf: ein Kulturerbe-Projekt und ein Naturerbe-Projekt oder ein &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Kulturerbe-Projekt und ein Kulturlandschafts-Projekt. Für 2014 stehen als Kulturerbe das &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Hamburger Kontorhausviertel und der Naumburger Dom mit der ihn umgebenden &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Kulturlandschaft auf der Liste. Daher kommt also nur ein Tausch mit Naumburg infrage.&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Wie stehen die Projektverantwortlichen in Sachsen-Anhalt zu dem Tausch? Sie &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;müssten ihre Bewerbung dann ein Jahr früher, also Anfang 2013, fertig haben.&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; Aus dem Kultusministerium in Magdeburg war gestern zu erfahren, dass prinzipiell gegen &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;einen Tausch nichts einzuwenden wäre und das auch unverbindlich vorbesprochen wurde. &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Weil aber die Antragsvorbereitung ein sehr aufwendiges Verfahren ist, ist die Einreichung &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;des Antrages 2013 nicht zu schaffen.&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Für 2014 steht auf der Liste der Anwärter noch das Hamburger &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;Kontorhausviertel. Ist auch mit dem Objekt der Tausch möglich?&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; Nein. Das ist ein Kulturerbe-Projekt. Sachsen bewirbt sich mit einer Kulturlandschaft. Nur &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;der Naumburger Dom ist noch ein solches Projekt.&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Die seit Mitte der 1990er-Jahre gültige Warteliste ist doch erst 2015 &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;abgearbeitet. Gibt es da noch einen Tauschpartner?&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; 2015 wollen sich nur die 1698 gegründeten Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale), eine &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Kultur- und Wissenschaftseinrichtung von europäischem Rang, um die Unesco-&lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Anerkennung bewerben. Theoretisch ist da noch ein Platz frei für ein &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Kulturlandschaftsprojekt. Ob Sachsens Regierung daher vorsorglich formuliert hat &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;"Bewerbung frühestens 2014" ist unklar. Sie schreibt die Verschiebung einem Zeitproblem &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;auf tschechischer Seite zu. Laut Kultusministerkonferenz sind langfristige Verschiebungen &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;immer risikobehaftet. Es versteckt sich dahinter die Frage: Die Sachsen kriegen das wohl &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;nicht auf die Reihe?&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Wie geht Sachsen weiter vor?&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; Die Landesregierung will Gespräche mit Sachsen-Anhalt und mit Tschechien aufnehmen. &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Es wird eine sächsisch-tschechische Arbeitsgruppe eingerichtet. Die Frage des Tauschs mit &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Sachsen-Anhalt soll innerhalb der nächsten vier Wochen endgültig geklärt werden. Bei &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Ablehnung wird ein Ringtausch geprüft.&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Mit dem Beitritt des Kreises Osterzgebirge hoffen nun drei Kreise und 34 &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;Kommunen auf eine erfolgreiche Bewerbung. Wie reagieren sie auf die &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;Verschiebung?&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; Unterschiedlich. Sie stemmen die Bewerbung materiell und unterstützen sie umfassend, &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;engagieren sich zum Teil seit vielen Jahren. Während manche Orte mit der Verschiebung &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;kein Problem haben, sind andere argwöhnisch. Anstoß wird vor allem an der Formulierung &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;"frühestens 2014" genommen. Einige Kommunalpolitiker befürchten, dass sich Sachsen &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;damit ein Hintertürchen für eine neuerliche Verschiebung offen lässt. Sie glauben, dass die &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Aberkennung des Welterbetitels für das Elbtal 2009 in der Landesregierung immer noch &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;nachwirkt.&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Hat die um ein Jahr verlängerte Zeitschiene nicht auch Vorteile?&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; Ja. Es gibt einige Kommunen, in denen die Beschlüsse der örtlichen Parlamente zu ihren &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Denkmalobjekten noch ausstehen. Nach bisherigem Zeitplan hätten die alle in diesem &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Frühjahr gefasst werden müssen.&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Der Freiberger Stadtrat schiebt das Thema schon seit September vor sich her, &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;weil es Streit um die "Reiche Zeche" gibt. Ist da ein Konsens in Sicht?&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; Die Entscheidung soll im April fallen. Die Bergakademie, auf deren Gelände die Lehrgrube &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;liegt, und der Oberbürgermeister wollen das Objekt nicht in die Montanregion integriert &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;haben. Sie befürchten negative Auswirkungen bei der Weiterentwicklung des &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Institutsstandortes. Allerdings ist die "Reiche Zeche" ohnehin schon ein Denkmal, womit &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;auch Auflagen verbunden sind. Dass der Welterbetitel keine Käseglocke bedeuten muss, &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;zeigen die Fragus-Werke Alfeld in Niedersachsen. Sie wurden 2011 Weltkulturerbe, &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;gehören zum Alfelder Industriegebiet und in der ausgezeichneten Gropius-Fabrik wird &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;trotzdem produziert.&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;In Tschechien, das sich mit seiner Bergbaulandschaft zusammen mit Sachsen &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;bewerben will, haben nicht alle Objekte den höchsten Denkmalschutzstatus. Ist &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;das ein Problem?&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; Das Nachbarland hat bei Denkmalen eine ähnliche Hierarchie wie früher die DDR. Dort &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;sind Denkmale in drei Kategorien gegliedert. Für den Welterbestatus kommen nur die von &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;nationaler Bedeutung infrage. Deshalb muss etwa ein halbes Dutzend Anlagen umgestuft &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;werden. Aber dafür reicht ein Zeitraum von etwa acht Monaten.&lt;/font&gt;</div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; &lt;/font&gt;<strong>&lt;font size="2"&gt;Am Montag wird in Paris das Unesco-Jubiläumsjahr "40 Jahre Welterbe" &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;eröffnet. Könnte es sein, dass das Erzgebirge am Ende am längsten auf einer &lt;/font&gt;</strong><strong>&lt;font size="2"&gt;Warteliste verharrt hat?&lt;/font&gt;</strong></div><div>&lt;font size="2"&gt;&lt;br&gt; Nein, es gibt auch andere große Projekte, die lange warten mussten. Die Dauer hängt vor &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;allem davon ab, auf welchem Platz ein Bewerber beim Erstellen der Warteliste eingestuft &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;wird. Sachsen lag auf der jetzigen Liste unter anfangs 21 Bewerbern auf Platz 16, rückte &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;dann Jahr für Jahr vor, tauschte 2011 mit den Fragus-Werken und gewann so noch einmal &lt;/font&gt;&lt;font size="2"&gt;Zeit für den Antrag. (gt)&lt;br&gt; &lt;br&gt; &lt;br&gt; &lt;/font&gt;<em>&lt;font size="2"&gt;Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 27.01.2012&lt;/font&gt;</em></div></font>