Werkzeugbauer hat Schlüssel zum Erfolg

Vor 75 Jahren gründete der Großvater das Unternehmen in Bockau. Unter Enkel Gert Ullmann schaffte der Betrieb den Sprung in die Moderne.
<font size="2">VON CHRISTIAN GESELLMANN</font>
<font size="2">BOCKAU </font><font size="2">- An der Lutherstraße, einer schmalen Einbahnstraße, die parallel zu dem kleinen Flüsschen Bockau verläuft, drängen sich auf</font> <font size="2">felsigem Gelände alte Mehrfamilienhäuser, von denen der sandfarbene Putz abzubröckeln droht. Mittendrin befindet sich eine neue</font> <font size="2">Werkhalle aus weißem und blauem, geriffeltem Blech - der Firmensitz von Werkzeugbau Ullmann.</font>
<font size="2"><br> Die schlichte, moderne Halle markierte einen Neuanfang in der mittlerweile 75-jährigen Firmengeschichte. Der heutige Inhaber, Gert</font> <font size="2">Ullmann, hatte das Unternehmen 1999 aus den Händen seiner Mutter übernommen, die es ein Jahr lang leitete. Zuvor führte sie Gert</font> <font size="2">Ullmanns Vater Wolfgang. Großvater Erich hatte 1936 eine Firma für Schnitt- und Stanzwerkzeuge gegründet und 1940 das Grundstück</font> <font size="2">an der Lutherstraße gekauft. Seitdem waren Werkstatt und Wohnhaus der Familie nie getrennt. Auf gerade einmal 150 Quadratmetern,</font> <font size="2">verteilt über zwei Etagen, wurden vor allem Teile für den Sondermaschinenbau gefertigt.</font>
<font size="2"><br> Der heute 45-Jährige ist sozusagen mit dem Schraubenschlüssel in der Hand aufgewachsen. Innerhalb von zwei Jahren verdoppelte er</font> <font size="2">das Auftragsvolumen - ein zeitgemäßer Neubau wurde unumgänglich und 2001 auch umgesetzt. Kurz darauf kaufte Gert Ullmann die</font> <font size="2">erste CNC-Fräsmaschine (computergesteuert und programmierbar), damals gebraucht "aber trotzdem fast so teuer wie die ganze</font> <font size="2">Halle", sagt Ullmann.</font>
<font size="2"><br> Jetzt wird die Halle fast schon wieder zu klein. Die Auftragsbücher sind voll bis Mai 2012. Doch die Erfahrungen aus der letzten</font> <font size="2">Finanzkrise haben Gert Ullmann vorsichtig werden lassen. Prognosen für einen längeren Zeitraum könne man nicht treffen: "Damals</font> <font size="2">brachen die Aufträge urplötzlich ein, keiner konnte das das vorhersehen. Ein Jahr herrschte Flaute, und jetzt kommen wir mit</font> <font size="2">Produzieren kaum hinterher."</font>
<font size="2"><br> </font><font size="2">"Wir setzten lieber auf gesundes statt auf schnelles Wachstum."</font>
<font size="2"><br> Gert Ullmann Werkzeugmacher</font>
<font size="2"><br> Ullmann kann und will seine Belegschaft nicht in Schichten arbeiten lassen - wegen der Nähe zu den benachbarten Wohnhäusern. Über</font> <font size="2">einen Anbau will er nicht mehr selbst entscheiden, sagt er und lächelt stolz. Denn sein Sohn Michael absolviert in Chemnitz gerade</font> <font size="2">seinen Bachelor im Fach Maschinenbau. Ein Master soll folgen, dann wird der Junior seinen Platz im Unternehmen finden und die</font> <font size="2">richtigen Entscheidungen treffen, ist sich Gert Ullmann sicher. Momentan arbeiten fünf Angestellte und zwei Auszubildende bei ihm. Alle</font> <font size="2">lernen oder haben bei ihm gelernt. "Es gibt Firmen, die sind in zwei Jahren auf hundert Mitarbeiter gewachsen - und dann</font> <font size="2">pleitegegangen. Wir setzen lieber auf gesundes statt auf schnelles Wachstum", so Ullmann. Der Großteil der Aufträge stamme aus dem</font> <font size="2">Erzgebirge, "dank jahrelanger Kontakte". Entwicklung und Bau neuer Werkzeuge sei inzwischen gar nicht mehr das Hauptgeschäft.</font> <font size="2">Immer wichtiger werde die Teilefertigung. "Wir sind im Prinzip die verlängerte Werkbank der Unternehmen." Der 45-Jährige hat sein</font> <font size="2">Handwerk von der Pike auf gelernt. Die Lehre zum Werkzeugmacher schloss er 1986 in Aue ab. 1995 folgte der Meistertitel. Heute</font> <font size="2">verbringe er nur noch 20 Prozent seiner Zeit in der Fertigung. Nach wie vor konstruiert er alle Teile und Werkzeuge selbst. Die meiste</font> <font size="2">Zeit gehe aber für Kundenkontaktpflege, Einkauf, Messen und Büroarbeit drauf.</font>
<font size="2"><br> Ullmann, ein kerniger Typ in Hemd und Jeans, mit kurzen braunen Haaren, kann man sich irgendwie nicht recht im Anzug vorstellen.</font> <font size="2">Beim Fachsimpeln mit den Angestellten in der von den Maschinen aufgeheizten Werkhalle ist er in seinem Element. Der Grund, warum</font> <font size="2">er die neue Halle an alter, beengter Stelle neben seinem Wohnhaus bauen ließ: "Dann hab' ich es nicht weit von zu Hause und kann</font> <font size="2">auch am Wochenende mal reinschauen."<br> <br> </font><font size="2"><br> Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 16.12.2011</font>